Wien (OTS) – Wachsender Arzneimittelbedarf und damit verbundene,
höhere Ausgaben
liegen nicht im Verantwortungsbereich der pharmazeutischen Industrie.
Die Preisregularien drücken die Medikamentenpreise seit Jahren immer
tiefer.
„Wenn in letzter Zeit verstärkt öffentlich über steigende
Medikamentenausgaben, verursacht etwa durch erhöhte
Verordnungszahlen, lamentiert wird, so ist das per se nichts Böses.
Es zeigt nur, dass wir alle älter werden, dass der Anteil der älteren
Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung steigt und dass sich damit der
Bedarf an Medikamenten erhöht. Der pharmazeutischen Industrie daraus
unterschwellig einen Vorwurf zu machen und daraus abzuleiten, dass
die Medikamentenpreise noch weiter gesenkt werden müssten, lenkt von
den wahren Baustellen im Gesundheitswesen ab und schadet zudem der
Versorgung, aber auch dem Standort Österreich insgesamt“ ,
kommentiert Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, jüngste
Meldungen zum Arzneimittelverbrauch in Österreich.
Es ist nichts Neues, dass das Gesundheitssystem unter einem hohen
Maß an Ineffizienz leidet. Das Geld, das ins österreichische
Gesundheitssystem fließt, wird nicht wirksam genug eingesetzt. Dabei
steuert die pharmazeutische Industrie ihrerseits einen gewichtigen
Beitrag zur Finanzierung des Gesundheitswesens bei. Dazu Herzog: „Das
mag für manche überraschend klingen, läuft aber schon seit Jahren so.
Denn durch Rückzahlungen im Rahmen sogenannter
‚Preismodellvereinbarungen‘ fließen jedes Jahr Millionenbeträge von
pharmazeutischen Unternehmen zurück an die Sozialversicherung.
Letztes Jahr waren es mehr als 450 Millionen Euro.“ Da dies seitens
der Österreichischen Gesundheitskasse nicht transparent ausgewiesen
wird, sei das Wissen über diese signifikanten Beiträge aus der
Industrie nur bei wenigen vorhanden, betont Herzog.
Abseits dieser Rückzahlungen werden die Preise von
erstattungsfähigen, patentfreien Medikamenten durch gesetzliche
Mechanismen extrem niedrig gehalten und künstlich immer weiter nach
unten gedrückt. Unter diesen widrigen Umständen versuchen die
Unternehmen dennoch, so gut wie möglich ihre Produkte auf dem
hiesigen Markt zu halten. „Mehr kann die Industrie zu einer sicheren
Versorgung nicht tun“, warnt Herzog.
Der Preisverfall im patentfreien, erstattungsfähigen Markt zeigt
sich anhand des folgenden Beispiels sehr deutlich: Kostete eine
Medikamentenpackung im Jahr 1996 noch umgerechnet zehn Euro, kostet
sie heute 6,18 Euro. Dagegen ist alles andere teurer geworden.
Die Kombination aus hohen Betriebskosten, überdurchschnittlicher
Inflation und starren Preisregelungen wirkt wie eine schleichende
Aushöhlung – sowohl der pharmazeutischen Unternehmen als auch der
Versorgung. Im Durchschnitt verlassen demnach pro Monat an die
zwanzig Medikamente den Erstattungskodex, weil es sich für die
Unternehmen nicht mehr rechnet, diese Produkte auf dem Markt zu
halten.
Vor dem Hintergrund der internationalen Zoll-Debatte mahnt Herzog
zudem eine grundlegende Änderung der Einstellung zu Medikamenten ein:
„Die Zeit der billigen Medikamentenpreise ist vorbei. Es ist höchst
an der Zeit, dass Arzneimittel als Investition in die Gesundheit, in
die Wirtschaft und in die Zukunft Österreichs gesehen werden. Wenn
wir eine sichere Versorgung, einen starken Standort und innovative
Medikamente in Österreich haben wollen, dann geht all das nicht ohne
eine starke pharmazeutische Industrie. Sie ist die Voraussetzung für
all das. Das muss der Politik und dem Zahlersystem klar sein.“
Über die PHARMIG: Die PHARMIG ist die freiwillige
Interessenvertretung der österreichischen Pharmaindustrie. Derzeit
hat der Verband ca. 120 Mitglieder (Stand Juli 2025), die den
Medikamenten-Markt zu gut 95 Prozent abdecken. Die PHARMIG und ihre
Mitgliedsfirmen stehen für eine bestmögliche Versorgungssicherheit
mit Arzneimitteln im Gesundheitswesen und sichern durch Qualität und
Innovation den gesellschaftlichen und medizinischen Fortschritt.