Tabuthema Penisfehlbildungen – Kinderurologie verhilft zu späterem funktional normalen Sexualleben

Wien (OTS) – Fehlbildungen des Penis wie Hypospadien sind oft
schamhafte
Tabuthemen, für die es Lösungen gibt. Wie Hypospadien am besten
behandelt werden, um den späteren jungen Männern ein funktional
normales Sexualleben zu ermöglichen und wie mit anderen
kinderurologischen Problemen wie Vorhautverengung und häufigen
Harnwegsinfekten umgegangen werden soll, darum geht es beim Kongress
der europäischen Gesellschaft für Kinderurologie (ESPU), der vom 3.
bis 6. September im Austria Center Vienna stattfindet.

„Wenn es um den Penis des Mannes geht, dann ist das leider oft
noch immer ein mit Scham behaftetes Thema. Hypospadien, das sind
angeborene Fehlbildungen des Penis, kommen mit 125 bis 300
neugeborenen Jungen pro Jahr in Österreich, aber relativ häufig vor.
Diese Buben sind nicht allein. Wir Kinderurologen helfen ihnen
medizinisch und auch Selbsthilfegruppen nehmen einen immer höheren
Stellenwert ein, um diese Kinder und späteren Männer zu unterstützen.
Auch andere Auffälligkeiten, wie Vorhautverengungen bei kleinen
Buben, die sehr häufig vorkommen, machen Eltern oft zu Unrecht
Sorgen. Auch hier sind wir Kinderurologen zur Stelle, um zu helfen“,
so Assoc. Prof. Doz. Dr. Alexander Springer, neben Prim. Priv.-Doz.
Dr. Dr. Bernhard Haid einer der beiden ESPU-Kongresspräsidenten und
Europäischer Facharzt für Kinderurologie.

Zwtl.: Hypospadien: Bis zu 300 Neugeborene pro Jahr in Österreich
betroffen

„Hypospadien sind angeborene Fehlbildungen des Penis, bei denen
die Harnröhre unterhalb des Penis mündet und der Penis oft nach unten
gebogen und generell etwas kleiner ist. Auch die Vorhaut sieht oft
außergewöhnlich aus“, beschreibt Springer das Krankheitsbild.
Unbehandelt führt die Fehlbildung, je nach Schweregrad, von minimalen
kosmetischen Einschränkungen bis hin zu gesamten
Funktionseinschränkungen – sprich, dass der Harnstrahl und das
Ejakulat nicht nach vorne gehen. „Die Therapie ist hier immer eine
chirurgische Operation. Ist die Ausprägung sehr stark, entscheiden
sich die Eltern mit den Kinderurologen gemeinsam für eine frühe
Operation, die meist um das 1. Lebensjahr des Buben erfolgt. Ist die
Fehlbildung nur sehr gering ausgeprägt, wird die Entscheidung über
eine Operation dem Patienten selbst nach seiner Pubertät im frühen
Erwachsenenalter überlassen,“ erklärt Springer das Prozedere.

Zwtl.: Hypospadien und späteres erfülltes Sexualleben – kein
Widerspruch

Die Operation selbst ist ein aufwändiger chirurgischer Eingriff.
Bei Komplikationen, wie dem nachfolgenden Bilden eines 2. Lochs in
der Harnröhre oder dem Entstehen einer Harnröhrenverengung, kann eine
Folgeoperation notwendig werden. „Generell kann ich sagen, dass die
Mehrzahl der Betroffenen langfristig nach dem Eingriff glücklich sind
und dass die allermeisten jungen Männer dann auch ein späteres völlig
normal funktionales Sexualleben führen und auch keine Einschränkungen
in ihrer Zeugungsfähigkeit haben. Das belegt auch eine groß angelegte
Studie der MedUni Wien mit der Universität Gent, bei der ehemalige
Patienten im Erwachsenenalter befragt und ausgiebig – auch mit
Spermaprobe und Spermaanalyse – untersucht wurden“, erklärt Springer.
Auch wenn derzeit noch keine genetische Ursache für Hypospadien
gefunden wurde und Hypospadien daher jeden treffen können, ist bei
bis zu 20 % der Fälle eine familiäre Häufung festzustellen.

Zwtl.: Vorhautverengung bei jungen Buben – Volksleiden, dass sich oft
von selbst löst

Während die Phimose, also Vorhautverengung, bei bis zu 90 % der
neugeborenen Jungen auftritt, ist sie nach der Pubertät sehr selten.
„In den meisten Fällen bildet sie sich von selbst zurück und ein
medizinischer Eingriff ist nur notwendig, wenn beim Kind Beschwerden
wie Schmerzen, Entzündungen oder häufige Harnwegsinfekte auftreten“,
erklärt Springer. Konservative Therapien wie Kortisonsalben können
temporär helfen, die Vorhaut zu erweitern.

Zwtl.: Kindliche Harnwegsinfekte ernst nehmen

„Auch wenn es banal klingt, wichtig ist, dass kindliche
Harnwegsinfekte ernst genommen werden“, betont Springer. Sie
verursachen den Kindern Schmerzen, sind mit Antibiotikaeinnahme
verbunden und manchmal auch mit Hospitalisierungen. Häufige
Harnwegsinfekte können die Nierenfunktion nachhaltig schädigen. Sie
können auch Ausdruck einer zugrunde liegenden Erkrankungen – wie
Nierenerkrankung, Erkrankung der ableitenden Harnwege, Refluxe oder
seltene urogenitale Erkrankungen sein.

Über die ESPU und den ESPU-Kongress
Die Kinderurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich sowohl
mit der Urologie als auch mit der Kinderchirurgie befasst und sich
auf angeborene Anomalien des Harn- und Genitalsystems konzentriert.
„Die europäische Gesellschaft für Kinderurologie (ESPU) ist die
weltweit führende Organisation in diesem Bereich und setzt sich für
die Förderung der Kinderurologie, Erleichterung der Ausbildung und
Förderung der Zusammenarbeit zwischen Ärzten, die sich mit der
Behandlung von urogenitalen Erkrankungen bei Kindern befassen, ein“,
betont Prof. Serdar Tekgül, Präsident der ESPU. Der heurige ESPU-
Kongress vereint – wie alle 5 Jahre – im Format eines „Joint
Meetings“ in einem besonderen Zusammenschluss 7 internationale
Fachgesellschaften. Er gilt als weltweit größtes, umfassendes Treffen
der Kinderurologen mit über 1.000 internationalen Experten.

Über die IAKW-AG
Die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien,
Aktiengesellschaft) ist verantwortlich für die Erhaltung des Vienna
International Centre (VIC) und den Betrieb des Austria Center Vienna.
Das Austria Center Vienna ist mit 21 Sälen, 134 Meetingräumen sowie
rund 26.000 m² Ausstellungsfläche Österreichs größtes Kongresszentrum
und gehört zu den Top-Playern im internationalen Kongresswesen.