Wien (OTS) – Der von der EU-Kommission vorgelegte Omnibus zur
Lebensmittel- und
Futtermittelsicherheit soll die europäischen Zulassungsverfahren für
Pflanzenschutzmittel modernisieren und gleichzeitig das hohe
Schutzniveau für Mensch, Tier und Umwelt aufrechterhalten. „Die
geplante Vereinfachung bei Zulassungen, Verlängerungen und dem
regulatorischen Rahmen für biologische Pflanzenschutzmittel ist ein
notwendiger erster Schritt. Der Omnibus bietet damit die Chance,
unnötige bürokratische Hürden abzubauen“, betont IGP-Obmann Christian
Stockmar.
„Ziel ist es, weiterhin hohe Sicherheitsstandards zu
gewährleisten, gleichzeitig aber bewährte Innovationen schneller in
die Praxis zu bringen. Dafür braucht es flexiblere
Zulassungsverfahren, vorhersehbare Zeitpläne und Rechtssicherheit.
Teil dessen sind klare Leitlinien, die sich an der
landwirtschaftlichen Realität orientieren und nicht durch
kurzfristige oder unerwartete Änderungen den Marktzugang verzögern“,
so Stockmar. In der EU hat die wachsende Zahl neuer oder
aktualisierter Leitlinien in den letzten Jahren Unsicherheit
geschaffen, Zeitpläne verlängert und Innovationen beeinträchtigt. Das
ging zulasten der heimischen bäuerlichen Betriebe.
Kritik: Braucht Wechsel auf risikobasierten Ansatz bei Bewertung
Kritisch sieht die IGP das Festhalten an einer gefahrenbasierten
Bewertung der Wirkstoffe. „Aus- und Weiterbildung, Beratung,
Formulierungen und Applikationsgeräte stellen einen enorm hohen
Sicherheitsstandard in der landwirtschaftlichen Produktion sicher.
Das sollte sich bei der Bewertung und Zulassung von Wirkstoffen
widerspiegeln“, unterstreicht Stockmar.
Entscheidend wird zudem sein, dass flexiblere
Zulassungsverfahren, die Einhaltung von Fristen und eine
Innovationsförderung für alle Pflanzenschutzlösungen gelten, also
sowohl für biologische als auch für konventionelle
Pflanzenschutzmittel. Nur so kann die Landwirtschaft die steigenden
Anforderungen an Ertrags- und Lebensmittelsicherheit, Qualität,
Umwelt- und Klimaschutz erfüllen.
Wirkstoffsituation: Alarmglocken schrillen
„Den Landwirten stehen weniger Mittel zur Verfügung und der
Schaderregerdruck steigt. Die EU-Kommission hat erkannt, dass das
nicht funktionieren wird“, so Stockmar. In den vergangenen sechs
Jahren wurde in der Europäischen Union kein neuer Wirkstoff
zugelassen, weil die Möglichkeiten des Artikels 4(7) in der EU-
Verordnung 1107/2009 nicht ausreichend genutzt und nie angewendet
wurde. Gleichzeitig ist das verfügbare Instrumentarium für Landwirte
um mehr als 80 Wirkstoffe geschrumpft.
„Das hat im biologischen und integrierten Anbau den Druck auf die
Betriebe erhöht. Viele Kulturen sind in Europa nur mehr schwer oder
teilweise nicht mehr anbaubar. Diese Entwicklung zeigt deutlich: Wenn
regulatorische Prozesse langsamer sind als der wissenschaftliche
Fortschritt und die Folgen des Klimawandels, verlieren Betriebe
Innovationen und den Kampf gegen Schaderreger. Für die EU bedeutet
das den Verlust von Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung, während
die Abhängigkeit von Importen aus Drittländern steigt.“