Wien (OTS) – Bürokratie, Preisdruck und unsichere Rechtsvorgaben sind
die größten
Belastungsfaktoren, unter denen Österreichs Bäuerinnen und Bauern
leiden. Das ist das Ergebnis der Studie „Soziale und psychische
Belastungen der Land- und Forstwirt:innen in Österreich“, die von der
L&R Sozialforschung im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums
erstellt und nun veröffentlicht worden ist. Aber auch immer höhere
Auflagen, fehlende Erholungszeiten und öffentliche Anfeindungen
drücken stark auf Gemüt und Gesundheit unserer Bauernfamilien. LK
Österreich-Präsident Josef Moosbrugger nimmt die Ergebnisse zum
Anlass, um seine Forderung nach besseren Rahmenbedingungen und
Erzeugerpreisen zu untermauern und die Wichtigkeit von Entlastungs-
und Beratungsangeboten zu unterstreichen.
Weniger als 5% der über 2.000 befragten Bäuerinnen und Bauern
geben an, gering oder nicht belastet zu sein. Knapp zwei Drittel
sprechen von einem mittleren und ein Drittel (34%) sogar von einem
hohen Belastungsniveau (Seite 46/47). In der Studie wird somit
insgesamt von einem „beträchtlichen Belastungsausmaß“ berichtet. Im
Hinblick auf konkrete physische und psychische Beschwerden und
Erkrankungen bewerten Land- und Forstwirt:innen sowie deren
mithelfende Angehörige ihren Gesundheitszustand schlechter als die
Gesamtbevölkerung. 46% der Land- und Forstwirt:innen geben sogar an,
im letzten Jahr von mindestens einer psychischen Erkrankung oder
Beschwerde betroffen gewesen zu sein. Dieser Anteil ist fast doppelt
so hoch wie in der österreichischen Gesamtbevölkerung (Seite 4).
Moosbrugger: Ergebnisse müssen ganz Österreich wachrütteln
„Spätestens diese Ergebnisse müssen alle wachrütteln und sind ein
deutlicher, gemeinsamer Hilferuf einer gesamten Berufsgruppe! Und wer
meint, das wäre nur ein Problem für die Bauernfamilien, dem sei
gesagt: Es geht hier um eine unverzichtbare Berufsgruppe für
Österreichs Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln, erneuerbarer
Energie und nachwachsenden Rohstoffen“, gibt Moosbrugger zu bedenken.
„Der ständige, schädliche Preiskampf auf Kosten der Bäuerinnen und
Bauern muss gestoppt und die Rahmenbedingungen dringend verbessert
werden“, fordert der LKÖ-Präsident mit Nachdruck.
Bildung und Beratung ausbauen, externe Belastung verringern!
„Es ist wichtig und gut, dass der Nationalrat angesichts dieser
Studie kürzlich einen ‚klaren Handlungsbedarf zur Verbesserung der
entsprechenden Rahmenbedingungen für die Bäuerinnen und Bauern‘
erkannt hat und dafür etwa ‚die Informationsarbeit zu bestehenden
psychosozialen Unterstützungs- und Entlastungsangeboten forcieren
will‘. Das ist wichtiger Rückenwind für unser Projekt des Ländlichen
Fortbildungsinstituts (LFI) ‚Lebensqualität Bauernhof‘ mit Bildungs-,
Beratungsangeboten und Bäuerlichem Sorgentelefon. Dass Bekanntheit
und Zufriedenheit mit diesen und weiteren Angeboten hoch sind, werten
wir positiv. Mindestens ebenso wichtig ist es aber, den externen
Ursachen der spürbaren Belastungen auf den Grund zu gehen und für
Verbesserungen zu sorgen“, betont der LK Österreich-Präsident.
Appell an EU-Kommission: Bürokratiedschungel dringend
durchforsten
„EU-Entwaldungsverordnung, Industrieemissionsrichtlinie,
Bodenüberwachungsgesetz usw. usw. – Viele Bäuerinnen und Bauern
vermeiden es schon, Medienberichte zu verfolgen“, so der LKÖ-
Präsident im Hinblick auf die Bürokratie und weiter: „Dabei ist nicht
nur die notwendige Arbeitszeit zu nennen, sondern vor allem auch die
Sorge, durch unbeabsichtigte Fehler oder Fristversäumnisse
finanzielle Sanktionen zu erhalten.“
So überrascht es nicht, dass mehr als die Hälfte der befragten
Bäuerinnen und Bauern (52%) die Bürokratie als sehr belastend anführt
(Seite 158), bei den Unter-30-Jährigen sind es sogar 60% (Seite 160).
„Das ist der negative Spitzenwert. Dieses Ergebnis muss EU-Kommission
und nationale Behörden gleichermaßen wachrütteln. Für jede neue
Regelung sollten mindestens zwei andere, sinnlose wegfallen, denn
gerade für unsere im internationalen Vergleich kleinen
Familienbetriebe ist all das nicht mehr bewältigbar. Der
Bürokratiedschungel gehört dringend durchforstet. Vieles bringt
nichts als unnötige Mehrarbeit für unsere ohnehin stark belasteten
Bauernfamilien“, fordert Moosbrugger.
Hinter der Bürokratie folgen mit 43% die Preisentwicklungen für
notwendige Rohstoffe wie Energie, Saatgut, Dünger etc. Die „Top-3 der
sehr belastenden Faktoren“ wird durch die Unsicherheit bei Regularien
und gesetzlichen Vorschriften mit 42% vervollständigt. Dahinter
rangieren gesetzliche Auflagen (z.B. Hygiene, Tierwohl) mit 37%,
fehlende bzw. zu kurze Urlaubs- und Erholungszeiten und öffentliche
Diskussionen und Anfeindungen.
Kostenentlastung z.B. für Ackerbau, Frostschutz für Obstbau
gefordert
Beim Altersgruppenvergleich wird auch deutlich, dass die Stimmung
und Motivation der jüngeren Land- und Forstwirt:innen durch
klimabedingte Ernteschäden und -ausfälle deutlich stärker gedrückt
wird als jene ihrer älteren Berufskolleg:innen. „Im Sektorvergleich (
ab Seite 163) belastet dieser Faktor besonders unsere Obst- und
Gemüseproduzenten, die ja jedes Jahr vor Spätfrösten u.ä. zittern
müssen und dringend bessere Frostschutzmaßnahmen bräuchten. Auffällig
ist auch, dass im Ackerbau zuallererst die Preisentwicklungen für
notwendige Rohstoffe wie Energie, Dünger und Saatgut als sehr
belastend empfunden werden. Auch für sie wären Kostenentlastungen und
ein besserer Schutz auf den internationalen Märkten von größter
Bedeutung“, fordert Moosbrugger.
https://www.bmluk.gv.at/dam/jcr:ee542087-088a-4b4f-b705-
a595fe0babf7/Endbericht_Psychosoziale%20Belastungen%
20Landwirt_innen_LR_Oktober2025.pdf