Caritas-Bericht: Humanitäre Hilfe ohne Mitsprache: Lokalisierung bleibt leeres Versprechen

Wien (OTS) – Der heute veröffentlichte Bericht „Advancing local
leadership in
humanitarian action: Tracking progress, challenges and opportunities”
(Förderung lokaler Führungskompetenz in der humanitären Hilfe:
Fortschritte, Herausforderungen und Chancen) der Caritas Europa zeigt
auf, dass im Bereich der humanitären Hilfe weiterhin ein Machtgefälle
besteht: Trotz Verpflichtungen von internationalen
Geberorganisationen zur Lokalisierung, also zur Stärkung von Akteur*
innen vor Ort, bleiben Bemühungen für Partnerschaften auf Augenhöhe
eher Absichtserklärung denn Realität. Die Unterstützung lokal
geführter Initiativen ist nach wie vor unzureichend, insbesondere
angesichts der sich verschärfenden globalen Krise in der humanitären
Finanzierung.

Der neue Lokalisierungsbericht kritisiert, dass lokale
Organisationen in erster Linie als Auftragnehmende und nicht wie
Führungskräfte vor Ort behandelt werden; die Entscheidungsbefugnis
über finanzielle Mittel liegt nach wie vor in internationalen Händen.

Alexander Bodmann, Vizepräsident der Caritas Österreich: „Wir
leben in Zeiten, wo einerseits Gelder für humanitäre Hilfe stark
gekürzt werden und andererseits durch immer mehr bürokratische
Auflagen die Lokalisierungsagenda behindert wird. Umso entschiedener
müssen wir sicherstellen, dass so viel Hilfe wie möglich bei den
betroffenen Menschen und ihren zivilgesellschaftlichen Organisationen
vor Ort ankommt. Nur auf diese Weise können wir effizient, effektiv
und nachhaltig helfen. Wir brauchen gut ausgebildete lokale Helfer*
innen und funktionierende Mechanismen im Katastrophenfall, um
Menschen in Krisenregionen zu stärken.“

Zwtl.: Budgetkrise in der humanitären Hilfe

Der Bericht wird in Zeiten zurückgehender Budgetmittel für die
humanitäre Hilfe veröffentlicht. Im Jahr 2025 deckten die weltweiten
Finanzmittel nur etwa 28 Prozent des Bedarfs an humanitärer Hilfe,
was unmittelbare und schwerwiegende Folgen für die von Krisen
betroffenen Menschen hat. Alexander Bodmann: „Lokale Organisationen
und die Menschen vor Ort sind von diesen Budgetkürzungen am stärksten
betroffen. Viele Länder, darunter Österreich, kürzen radikal ihre
Hilfe. So wird humanitäre Hilfe vor Ort zum Spießrutenlauf und lokale
Organisationen in Krisengebieten müssen ihre direkte Unterstützung
reduzieren.“

Zwtl.: Lokalisierung leben, nicht nur auf dem Papier

Der Bericht zeige weiters vielversprechende Praktiken wie lokal
verwaltete gemeinsame Fonds und partnerschaftlich getragene
Kapazitätsstärkung auf, so der Vizepräsident der Caritas Österreich.
Diese positiven Beispiele blieben aber vereinzelt und seien nicht
ausreichend institutionalisiert. „Die österreichische internationale
Zusammenarbeit hat in der Vergangenheit Schritte gesetzt, um Hilfe
planbarer und flexibler zu machen. Es bleibt aber noch viel zu tun:
Es müssen Maßnahmen für echte Lokalisierung ergriffen werden, wir
sollten von dieser „Wer zahlt, schafft an-Mentalität“ wegkommen.
Lokale Organisationen müssen humanitäre Hilfsmaßnahmen koordinieren
und leiten dürfen. Dafür brauchen sie flexible und ausreichende
Finanzmittel. Mit Blick auf die anstehenden Budgetverhandlungen
befürchte ich allerdings, dass auch dieses Mal wieder starke
Einschnitte bei der Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit und
Humanitären Hilfe gemacht werden. Österreich sollte aber weiterhin
ein glaubwürdiger und vertrauensvoller Partner in der internationalen
Gemeinschaft bleiben, da wären weitere Kürzungen fatal.“

Der Bericht ist unter www.caritas.eu/advancing-local-leadership-
in-humanitarian-action/ abrufbar.