Wien (OTS) – „Die Wiener Abfallwirtschaft ist das Herzstück der
Kreislaufwirtschaft und damit unverzichtbar für das Zusammenspiel von
Klimaschutz, Energieversorgung und Lebensqualität“, sagt Tobias
Olbrich, Branchensprecher der Fachgruppe Entsorgungs- und
Ressourcenmanagement der WK Wien, bei der Präsentation der aktuellen
Studie „Die Abfallwirtschaft Wiens als Triebfeder für
wirtschaftlichen Erfolg“, die im Auftrag der Fachgruppe erstellt
wurde.
Starker Wirtschaftsfaktor in der Stadt
Drei Viertel des Branchenumsatzes werden von privatwirtschaftlichen
Betrieben erwirtschaftet, ein Viertel entfällt auf kommunale
Entsorger in Wien. Gleichzeitig zeigt Wien, dass Wachstum und
Ressourcenschonung kein Widerspruch sind: Trotz stark steigender
Bevölkerungszahlen – insbesondere in den vergangenen 20 Jahren –
konnte das spezifische Restmüllaufkommen pro Kopf seit 2015 um rund
15 Prozent gesenkt werden.
„Ein Arbeitsplatz in der Wiener Abfallwirtschaft sichert
österreichweit 1,64 weitere Jobs“, betont Olbrich die
volkswirtschaftliche Bedeutung. Insgesamt erzielt die Branche
Umsatzerlöse von 2,73 Mrd. Euro, generiert 1,32 Mrd. Euro an
Wertschöpfung und sichert rund 12.000 Arbeitsplätze.
Abfall als Rohstoff
„Die Wiener Entsorgungsbetriebe sind die Rohstoffschürfer der
Zukunft. Sie gewinnen wertvolle Sekundärrohstoffe aus Altstoffen
zurück und leisten damit einen zentralen Beitrag zur
Kreislaufwirtschaft“, sagt Peter Hodecek, Vertreter der Fachgruppe
Entsorgungs- und Ressourcenmanagement und Vizepräsident von Recycling
Europe.
Die Emissionen der Branche sanken trotz Bevölkerungswachstum in
den Jahren 2005 bis 2023 um zwei Prozent. In der Klimabilanz
entspricht das einer Einsparung von 311.000 Tonnen CO2. Zusätzlich
liefert die Abfallverbrennung in Wien Fernwärme und Ökostrom –
essenzielle Bausteine für eine sichere und nachhaltige
Energieversorgung.
Hohe Recyclingquoten und Standortvorteil
34 Prozent des gesamten österreichischen Abfallaufkommens werden
recycelt. Besonders hoch sind die Recylingraten bei Metall-, Papier-
und Glasabfällen – auch in Wien. Die getrennte Sammlung funktioniert
österreichweit sehr gut. Wien liegt im Vergleich zu anderen
europäischen Hauptstädten auf dem ausgezeichneten dritten Platz. Eine
leistungsfähige Kreislaufwirtschaft ist damit ein klarer
Standortvorteil für die rohstoffarme Metropole Wien.
Entrümpler sowie Straßen- und Winterdienst
In einer Großstadt wie Wien kommt den Entrümplern eine besondere
Rolle zu – bedingt durch häufigere Wohnungswechsel, kleinere
Wohnflächen und begrenzte Lagermöglichkeiten. Sie erwirtschaften rund
350 Mio. Euro Umsatz.
Auch der Straßen- und Winterdienst ist ein essenzieller
Bestandteil der Branche: Nur durch ihn ist eine verlässliche
Abfallentsorgung ganzjährig möglich. Während früher die Schneeräumung
im Fokus stand, gewinnt heute zunehmend die Bekämpfung von Glatteis
und Nässe an Bedeutung.
„Wer Kreislaufwirtschaft will, muss Entsorgungsbetriebe stärken“,
unterstreicht Olbrich.
Politische Forderungen der Branche
– Sekundärrohstoffe sollten bei öffentlichen Bauprojekten stärker
eingesetzt werden.
– Abfallwirtschaft ist sehr arbeitsintensiv: Steigende Lohn- und
Energiekosten gefährden Betriebe, weshalb die Reduktion der
Lohnnebenkosten ein wichtiger erster Erfolg ist.
– Als Rohstoffschürfer der Zukunft muss die Branche systematisch in
Klima-, Energie- und Rohstoffstrategien eingebunden werden – als
Grundlage für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
