Wien (OTS) – Anlässlich der Gedenktage rund um die Befreiung des
Konzentrationslagers Mauthausen am 5. Mai sowie des Endes des Zweiten
Weltkriegs am 8. Mai gedenkt die Bundesregierung der Opfer des
Nationalsozialismus.
Diese Gedenktage sind aus Sicht der Bundesregierung keine bloßen
historischen Rückblicke. Sie sind ein Auftrag für die Zukunft. Gerade
deshalb sei es entscheidend, dass die Erinnerungskultur in Österreich
weiterentwickelt und gestärkt wird. Die Auseinandersetzung mit der
Geschichte, mit Täterschaft und Verantwortung, mit den Schicksalen
der Opfer sowie mit den Mechanismen von Ausgrenzung und
Entmenschlichung ist eine Grundlage für demokratisches Zusammenleben.
„ Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus, Extremismus und
gesellschaftliche Radikalisierung wieder zunehmen, ist aktive
Erinnerungsarbeit wichtiger denn je. Erinnerung darf nicht stehen
bleiben – sie muss sich weiterentwickeln, um auch kommende
Generationen zu erreichen “, betonte Staatssekretär Alexander Pröll .
Staatssekretärin Michaela Schmidt : „ Niemals wieder! Diese Worte
haben auch 81 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus nichts
von ihrer Bedeutung verloren. Das Ende des Zweiten Weltkriegs
bedeutete die Rückkehr zu Freiheit, Demokratie und Menschenwürde.
Leider sind genau diese Werte heute wieder zunehmend in Gefahr.
Deshalb müssen wir alle gemeinsam die Erinnerung wachhalten und mit
aller Kraft gegen Antisemitismus, Rassismus und das Erstarken
autoritärer Kräfte eintreten .“
Staatssekretär Sepp Schellhorn : „ Die Konzentrationslager
endeten 1945 – ihre Nachwirkungen nicht. Eine Überlebende sprach von
einem ‚permanenten Schrei in der Leere unseres Haushalts‘. Gerade
deshalb darf Erinnerung nicht abstrakt werden: Sie muss Verantwortung
benennen, Demokratie verteidigen und kommende Generationen befähigen,
die Zeichen der Entmenschlichung früh zu erkennen. “
Bisherige Maßnahmen
Viele Österreicherinnen und Österreicher waren in der Zeit des
Nationalsozialismus Täterinnen und Täter. Nach einer langen Phase der
Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Zweiten
Republik will die Bundesregierung weiter daran arbeiten, die letzten
Lücken in der Aufarbeitung zu schließen.
Der Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des
Nationalsozialismus wurde 1995 gegründet, um die besondere
Verantwortung der Republik Österreich zum Ausdruck zu bringen.
Das Washingtoner Abkommen, das Kunstrückgabegesetz, der Erwerb
der Staatsbürgerschaft für Verfolgte und deren direkte Nachkommen
sowie die Errichtung der Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte waren
wesentliche Schritte, um die Verantwortung der Republik Österreich zu
betonen und die Geschichte des Holocaust aufzuarbeiten.
Das ehemalige Konzentrationslager (KZ) Mauthausen wurde zu einem
modernen Gedenk- und Vermittlungsort weiterentwickelt. Die
Neugestaltung des ehemaligen KZ Gusen soll die Gedenkstätte in naher
Zukunft als zentralen europäischen Erinnerungsort etablieren, der die
Bereiche Gedenken, Bildung und Begegnung verbindet.
Darüber hinaus leisten Einrichtungen wie das Dokumentationsarchiv
des Österreichischen Widerstandes, das Vienna Wiesenthal Institut,
das Haus der Geschichte Österreich sowie zahlreiche Initiativen im
ganzen Land einen wertvollen Beitrag zur Gedenk- und Forschungsarbeit
– gerade auch auf Ebene engagierter Bürgerinnen und Bürger sowie der
Wissenschaft.
Die Nationale Strategie gegen Antisemitismus 2.0 der
österreichischen Bundesregierung soll den Fortbestand des jüdischen
Lebens in Österreich schützen und langfristig absichern,
Antisemitismus in all seinen Formen eindämmen und die Erinnerung an
die Opfer der Shoah aufrechterhalten.
Weiterentwicklung des Holocaust-Gedenkens
Im Rahmen des bereits 2025 gestarteten Prüfprozesses zur
Errichtung eines Holocaust-Centers wurden internationale Modelle der
Holocaust-Gedenk- und Bildungsarbeit analysiert sowie Gespräche mit
Expertinnen und Experten und bestehenden Einrichtungen geführt. Ziel
des weiteren Prozesses ist die Schaffung eines zentralen,
institutionell verankerten Ortes, der die historische Verantwortung
Österreichs sichtbar macht, bestehende Initiativen ergänzt und die
Vermittlung von Erinnerung, Bildung und Forschung stärkt. Der
Bundeskanzler wird dazu zeitnah eine hochkarätige Kommission
einsetzen, die ein Konzept für die weitere Entwicklung eines
Holocaust-Centers in Österreich ausarbeiten soll.
„ Ein Holocaust-Center soll kein Ersatz für bestehende
Initiativen sein, sondern ein Ort der Vernetzung, der Vermittlung und
der gemeinsamen Verantwortung “, so Staatssekretär Alexander Pröll
abschließend.
