Wien (OTS) – Der Truppenübungsplatz Allentsteig ist mit rund 15.700
Hektar das
größte militärische Übungsgelände Österreichs und zentraler
Ausbildungsraum des Bundesheeres. An mehr als 250 Tagen im Jahr
trainieren Soldaten dort die militärische Landesverteidigung unter
realitätsnahen Bedingungen. Gleichzeitig entwickelte sich das
weitläufige Sperrgebiet durch die eingeschränkte zivile Nutzung zu
einem einzigartigen Rückzugsraum für zahlreiche bedrohte Tier- und
Pflanzenarten. Heute gilt Allentsteig als eines der bedeutendsten
Naturgebiete Österreichs.
„Der Truppenübungsplatz Allentsteig zeigt eindrucksvoll, dass
militärische Landesverteidigung und Naturschutz kein Widerspruch
sind. Durch die Nutzung des Bundesheeres konnte eine einzigartige
Kulturlandschaft erhalten werden, die bedrohten Tier- und
Pflanzenarten wertvolle Lebensräume bietet. Dieses Zusammenspiel von
Sicherheit und Verantwortung für unsere Umwelt ist beispielgebend“,
betont Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.
Der Truppenübungsplatz ist ein Eigenjagdgebiet. Die jagdliche
Betreuung erfolgt durch vier Berufsjäger, acht Personen in jagdlicher
Nebenfunktion sowie durchschnittlich zwei Lehrlinge. Ein vergangenes
Forschungsprojekt untersuchte das Verhalten des Rotwildes im
Zusammenspiel mit dem Wolf. Dafür wurden sowohl Rotwild als auch
Wölfe besendert. Zusätzlich trug das Rotwild Sensoren, die
Körpertemperatur, Herzschlag und Verhalten erfasst haben. Bei
Annäherung der beiden Tierarten unter 100 Meter wurden die Daten im
Zwei-Minuten-Takt übertragen. Die Ergebnisse zeigten: Das großräumige
Verhalten des Rotwildes veränderte sich kaum durch die Wolfspräsenz.
Auffällig waren jedoch kurzfristige Abwanderungen von ein bis zwei
Tagen – meist im Zusammenhang mit groß angelegten Drückjagden. Damit
ließ sich erkennen, dass jagdlicher Einfluss für das Rotwild ein
stärkeres Fluchtverhalten auslösen kann als der Wolf. Ergänzend dazu
sollen in diesem Jahr rund 140 Stück Schwarzwild besendert werden, um
auch die Interaktion zwischen Wolfsrudel und Schwarzwild
wissenschaftlich zu untersuchen.
Besonders bemerkenswert ist, dass gerade die militärische Nutzung
zusätzliche Lebensräume schafft. Panzerspuren dienen etwa jungen
Wachtelkönigen als trockene und warme Rückzugsorte, während sich
Granattrichter rasch mit Wasser füllen und Amphibien wie seltenen
Unken und Fröschen als Laichgewässer dienen. In den 1990er-Jahren
fand am Truppenübungsplatz Allentsteig eine genaue Biotoperhebung
statt. Seit 2011 stehen rund 11.000 Hektar als „Natura 2000“
Vogelschutzgebiet unter besonderem. In den vergangenen Jahren konnten
sich zudem weitere Tierarten ansiedeln, die in Österreich lange als
ausgerottet galten. So haben in Allentsteig neben dem Kranich, Biber,
Fischotter und Seeadler, 2016 auch das erste Wolfsrudel Österreichs
seit 140 Jahren eine Heimat gefunden. Erst am 6. Mai erhielt der
Schlosspark Allentsteig, das Lager Kaufholz und die
Liechtensteinkaserne eine „Natur im Garten“ Plakette für ihre
ökologische Gestaltung und nachhaltige Bewirtschaftung.
