ÖGB/FCG Vorarlberg zum Tag der Pflege: Österreich hat massiven Pflegenotstand

Österreich (OTS) – Anlässlich des Internationalen Tags der Pflege
schlägt die
Vorarlberger ÖGB-Frauenvorsitzende und ÖGB FCG-Landesvorsitzende Iris
Seewald Alarm. „Das österreichische Pflegesystem funktioniert nur
noch deshalb, weil Beschäftigte und Angehörige dauerhaft an ihre
Belastungsgrenzen gehen“, so Seewald und warnt vor einem Pflegesystem
besonders auf Kosten von Frauen und Familien.

Laut dem Volkshilfe-Sozialbarometer 2026 sorgen sich über 60
Prozent der Österreicher:innen um die Leistbarkeit und Qualität der
Pflege im Alter.

Seewald, selbst Betriebsratsvorsitzende eines Instituts für
Sozialdienste, beschreibt drastisch die Lebensrealität tausender
Beschäftigter im Pflege- und Sozialbereich: Pflegekräfte springen
ständig ein, Angehörige verzichten auf Freizeit sowie Einkommen und
gefährden damit oft die eigene Gesundheit. Besonders Frauen tragen
diese Verantwortung seit Jahren still mit. Unser System funktioniere
nur noch, weil Menschen permanent über ihre Grenzen gehen, schildert
Seewald.

Arbeitsbedingungen auf Dauer nicht durchhaltbar

Viele Beschäftigte würden den Pflegeberuf nicht verlassen, weil
ihnen die Arbeit mit Menschen nichts mehr bedeute, sondern weil die
Arbeitsbedingungen auf Dauer nicht durchhaltbar seien. „Wer ständig
Überstunden macht, Dienste tauscht und gleichzeitig Familie
organisiert, brennt irgendwann aus“ warnt Seewald.

Besonders kritisch sieht sie die zunehmende Verlagerung der
Pflege in die Familien. Immer mehr Angehörige müssten
Versorgungslücken auffangen, häufig neben Beruf und Kinderbetreuung.
„Was oft als selbstverständlich angesehen wird, hat massive Folgen
für Einkommen, Karrierechancen und spätere Pensionen. Diese stille
Belastung tragen überwiegend Frauen“, so Seewald.

Sie pocht auf ein langfristiges Konzept in der Pflege und sieht
die Politik nicht erst seit jetzt gefordert. „Es ist notwendig, JETZT
zu handeln. Es ist wichtiger denn je, die Menschen im System zu
halten. Ich fordere verlässlichere Dienstpläne, ausreichend
Regenerationszeiten, bessere Arbeitsbedingungen sowie einen
konsequenten Ausbau mobiler Pflege- und Entlastungsangebote“, so die
ÖGB Frauen- und FCG Landesvorsitzende.

„Eine solidarische Gesellschaft darf Pflege nicht auf permanenter
Selbstüberforderung aufbauen. Wer täglich Verantwortung für andere
übernimmt, braucht selbst Schutz, Unterstützung und faire
Bedingungen“, betont Seewald abschließend.