10 Jahre Pflanzenschutz-Warndienst dient Umwelt, Wirtschaft und Gesundheit

Wien (OTS) – Anlässlich seines 10-Jahr-Jubiläums kann der
österreichweite
Pflanzenschutz-Warndienst mit einer ganzen Reihe an Erfolgen
aufwarten. So werden mittlerweile nicht nur rund 1 Mio. Zugriffe
jährlich verzeichnet, sondern der konkrete Nutzen für Umwelt und
Wirtschaft auch durch eine neue Umfrage untermauert. Welche Anliegen
und konkreten Pläne es für die Zukunft gibt, erläuterten
Landwirtschaftskammer Österreich-Präsident Josef Moosbrugger , der
Geschäftsführer der Österreichischen Agentur für Gesundheit und
Ernährungssicherheit (AGES), Anton Reinl , und Warndienst-
Projektleiterin Vitore Shala-Mayrhofer heute bei einem Online-
Pressegespräch im Vorfeld der Jubiläumstagung.

Moosbrugger: Win-Win-Situation für Umwelt und Wirtschaft

„In der österreichischen Landwirtschaft findet der
Pflanzenschutzmitteleinsatz grundsätzlich nach dem Motto ‚So wenig,
wie möglich, so viel, wie notwendig‘ statt. Für zusätzliche Effizienz
sorgt der Pflanzenschutz-Warndienst auf warndienst.at, der Bäuerinnen
und Bauern österreichweit, leicht zugänglich und kostenfrei wertvolle
Informationen bietet. Das zentrale Element sind Empfehlungen, wann wo
welche Maßnahmen zum Schutz vor welchen Schaderregern bei welcher
Kultur getroffen werden sollten. Dadurch können Wirkstoffe im Acker-,
Gemüse-, Obst- und Weinbau sowie gegen Bienenschädlinge zielgerichtet
ausgebracht werden“, betonte Moosbrugger.

40 Prognosemodelle und 63 Monitoringkarten für über 70
Schaderreger

„Diese Mittel- und Kosteneinsparung, aber auch die verbesserte
Treffsicherheit von Behandlungen kommen sowohl den bäuerlichen
Betrieben, als auch der Umwelt entgegen – eine Win-Win-Situation für
alle Beteiligten. Dieses Erfolgsprojekt muss auch für die Zukunft
abgesichert und weiterentwickelt werden“, so der LKÖ-Präsident.
„Primär basiert der Pflanzenschutz-Warndienst auf zwei Säulen,
nämlich 40 Prognosemodellen und 63 Monitoringkarten, die mittlerweile
für über 70 verschiedene Schaderreger zur Verfügung stehen. Dieses
Angebot unter der Leitung des Ländlichen Fortbildungsinstituts (LFI)
kann sich auch im internationalen Vergleich mehr als sehen lassen“,
unterstrich Moosbrugger.

Bei den Prognosemodellen werden auf Basis verschiedenster
Wetterdaten (v.a. Luft- und Bodentemperatur, Niederschlag,
Luftfeuchtigkeit, Blattnässe) von über 2.700 Messpunkten
österreichweit mit Hilfe spezieller Berechnungsmodelle
vollautomatisch drei bis fünf Tage vorausschauende
Entscheidungsgrundlagen generiert. Die meisten Monitorings wiederum
werden von der AGES gemeinsam mit den Landwirtschaftskammern
betrieben. Dabei fließen Beobachtungsdaten ein, wie z.B.
Schädlingsfunde in Pheromon-, Köder- oder Gelbfallen, aber auch
Ergebnisse von Laboranalysen. Dazu werden etwa regelmäßig
Getreidepflanzen-Proben am Feld entnommen, von der AGES auf
Blattkrankheiten oder Mykotoxine, also Pilzgifte, untersucht und
darauf aufbauend Informationen über die Situation samt Empfehlungen
auf der Webseite veröffentlicht.

Reinl: Pflanzenschutz-Warndienst für sichere Lebensmittel

„Der Pflanzenschutz-Warndienst ist ein zentrales Instrument für
nachhaltigen Pflanzenschutz. Diese enge Zusammenarbeit von Forschung,
Praxis, Bildung und Beratung ermöglicht frühzeitige Vorhersagen über
das Auftreten von Pflanzenschädlingen und -krankheiten – vom Frühjahr
bis in den Herbst. Die Warnungen umfassen Insekten, Milben, Pilze,
phytopathogene Viren und Bakterien. Dass etwa Mykotoxine frühzeitig
nachgewiesen und Ernteempfehlungen ausgesprochen werden können,
solange der Mais noch in bestem Zustand ist, nützt nicht nur den
bäuerlichen Betrieben, sondern uns allen“, betonte AGES-
Geschäftsführer Reinl.

Neu einwandernde Schädlinge durch Klimawandel

„Durch den Klimawandel bereiten zunehmend gebietsfremde
Schadinsekten Probleme in der Landwirtschaft. Beispielsweise werden
verstärkt Meldungen der Grüne Reiswanze verzeichnet, die vor allem
bei Hülsenfrüchten und Gemüse massive Schäden verursacht. Um
betroffene Regionen gezielt zu unterstützen, haben wir als AGES
gemeinsam mit den Landwirtschaftskammern ein Reiswanzen-Monitoring
etabliert“, so Reinl, der davon ausgeht, dass in den kommenden Jahren
neue Schädlinge auftreten und somit weitere Monitorings notwendig
sein werden.

Hohe User-Zufriedenheit und spürbare Mitteleinsparung laut
Umfrage

Qualität und Bedeutung des Pflanzenschutz-Warndienstes sind auch
in einer Online-Umfrage unter rund 240 Bäuerinnen und Bauern
bestätigt worden, wie Projektleiterin Shala-Mayrhofer darlegte.
Demnach zeigen sich 89% sehr zufrieden (43%) oder zufrieden (46%) mit
den auf der Webseite angebotenen Informationen. Nach dem
Schulnotensystem wird der Pflanzenschutz-Warndienst von 86% mit Sehr
gut oder Gut beurteilt. 66% geben an, den Pflanzenschutz-Warndienst
regelmäßig zu nutzen. Weitere 27% führen an, die Plattform speziell
dann zu besuchen, wenn konkrete betriebliche Entscheidungen anstehen.
65% der Befragten betonen, die Webseite während der
Vegetationsperiode einmal pro Woche bis täglich zu nützen.

„Es motiviert uns sehr, wie intensiv und positiv der
Pflanzenschutz-Warndienst genützt und wahrgenommen wird. Dass 80% der
Bäuerinnen und Bauern in der Umfrage angeben, dadurch Einsparungen
von Pflanzenschutzmitteln erzielt zu haben – 13% sogar um mindestens
die Hälfte – ist ein Ergebnis, auf dem wir aufbauen können“, so Shala
-Mayrhofer.

Innereuropäische Vernetzung zur Weiterentwicklung – Zusätzlich
App geplant

„Die Zahl der erfassten Schaderreger ist in den vergangenen 10
Jahren ebenso kontinuierlich gestiegen wie die Qualität der
Vorhersagen und die darauf aufbauenden Zugriffszahlen. Das gilt es
für die Zukunft nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen.
Schließlich verändern sich – insbesondere durch den Klimawandel –
auch Schädlingsvorkommen und landwirtschaftliche Kulturen. Die
Vernetzung mit anderen Warndiensten in Europa ist dafür wertvoll und
leistet gute Dienste“, erklärte Shala-Mayrhofer. „Außerdem arbeiten
wir an einer weiteren Verbesserung der User-Freundlichkeit durch
personalisierte und mobile Webapplikationen, wie sie laut Umfrage von
71% gewünscht werden. Der Warndienst ist ein perfektes Beispiel für
ein hochmodernes, digitales Tool, das künftig auch um KI-Elemente,
etwa zur Schädling- und Krankheitserkennung, erweitert werden
könnte“, gab die Projektleiterin einen Ausblick in die Zukunft.

Kooperation aus rund 25 nationalen und internationalen Partnern

Der Pflanzenschutz-Warndienst ist ein Gemeinschaftsprojekt von
rund 25 nationalen und internationalen Kooperations- und
Firmenpartnern, wobei das LFI als Projektträger und die LKÖ als
Projektleiterin fungieren. Die wichtigste fachliche Unterstützung
erfolgt durch AGES, Landwirtschaftskammern, die Universität für
Bodenkultur Wien, das AGRANA Research & Innovation Center (ARIC) und
Biene Österreich. Finanziert und unterstützt wird das Projekt durch
das Landwirtschaftsministerium im Rahmen der Ländlichen Entwicklung
von EU, Bund und Ländern, durch die Landwirtschaftskammern und
Sponsoren wie die Raiffeisen Ware Austria (RWA), Saatgut Austria, die
InteressenGemeinschaft Erdäpfelbau (IGE) und die Erzeugerorganisation
Tiefkühlgemüse (ETG).