ACREDIA: Globaler Forderungseinzug bleibt anspruchsvoll

Wien (OTS) – Die Durchsetzung offener Forderungen zählt weltweit
weiterhin zu den
zentralen Herausforderungen für Unternehmen. Der aktuelle Collection
Complexity Score 2026 des internationalen Kreditversicherers ACREDIA
in Zusammenarbeit mit Allianz Trade zeigt: Zwar hat sich die globale
Inkassokomplexität gegenüber der letzten Erhebung leicht reduziert,
das Risikoniveau bleibt jedoch hoch – insbesondere im
grenzüberschreitenden Geschäft. Mit 47,2 von 100 Punkten liegt der
globale Score unverändert in der Kategorie „hoch“. Rund 48 % der
internationalen Handelsforderungen entfallen auf Länder mit sehr
hoher oder extremer Inkassokomplexität. In absoluten Zahlen
entspricht dies einem Volumen von 1,1 Billionen US-Dollar.

Zwtl.: Leichte Entspannung – strukturelle Belastungsfaktoren bleiben

Der Collection Complexity Score unterscheidet vier Risikostufen:
„beachtlich“ (unter 40 Punkte), „hoch“ (40–50), „sehr hoch“ (50–60)
und „extrem“ (über 60). Im Vergleich zur Erhebung 2022 (49/100) ist
der globale Durchschnitt leicht gesunken. Gleichzeitig hat sich die
Risikostruktur verschoben: Der Anteil der Länder mit extremer
Inkassokomplexität ging geringfügig zurück (15 % nach 16 %), ebenso
jener mit sehr hoher Komplexität (21 % nach 29 %). Demgegenüber ist
der Anteil der Länder mit hoher sowie beachtlicher Komplexität
gestiegen.

Trotz dieser Entwicklung bleibt der Forderungseinzug
anspruchsvoll. Anhaltend hohe Insolvenzzahlen, eine zunehmende
Fragmentierung des Welthandels, veränderte Handelsströme, volatiler
Protektionismus, geopolitische Spannungen sowie wachsende digitale
Risiken erhöhen die Komplexität nachhaltig – insbesondere für
international tätige Unternehmen.

„Auch wenn sich die globale Inkassokomplexität zuletzt leicht
entspannt hat, bleibt der Forderungseinzug für Unternehmen weltweit
eine große Herausforderung. Unterschiedliche rechtliche
Rahmenbedingungen, lokale Zahlungsgepflogenheiten und hohe
Insolvenzzahlen erhöhen vor allem im internationalen Geschäft das
Ausfallrisiko. Ein strukturiertes Kredit- und Forderungsmanagement
sowie die laufende Bewertung von Länderrisiken sind daher wichtiger
denn je“, betont Gudrun Meierschitz, Vorständin der ACREDIA Group.

Zwtl.: Österreich: solides Umfeld, aber keine Risikozone ohne
Schatten

Für österreichische Unternehmen bietet das heimische Umfeld
grundsätzlich stabile Rahmenbedingungen für den Forderungseinzug. Das
Zahlungsverhalten ist insgesamt verlässlich, und der europäische
Rechtsrahmen stellt wirksame Instrumente bei Zahlungsverzug zur
Verfügung. Auch das österreichische Gerichtssystem gilt als effizient
und zuverlässig.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass außergerichtliche
Maßnahmen, insbesondere durch spezialisierte Partner, häufig der
effektivste Weg sind, um offene Forderungen zeitnah einzubringen.

Das österreichische Insolvenzrecht ist klar auf Sanierung vor
Zerschlagung ausgerichtet. Rund ein Drittel der insolventen
Unternehmen kann über einen Sanierungsplan fortgeführt werden, was
die Chancen auf zumindest teilweise Forderungsrückführung erhöht.
Scheitern diese Bemühungen oder kommt es unmittelbar zu einem
Konkursverfahren, bleiben die Rückflüsse für unbesicherte Gläubiger
jedoch meist begrenzt. Ergänzend steht Unternehmen seit 2021 mit dem
präventiven Restrukturierungsverfahren ein Instrument zur
frühzeitigen Stabilisierung zur Verfügung.

Zwtl.: Exportmärkte: Volumen schützt nicht vor Inkassorisiken

Eine ergänzende Analyse von Allianz Trade und Allianz Research
zeigt, dass Inkassorisiken auch in den wichtigsten Exportmärkten
Österreichs eine zentrale Rolle spielen. Die begleitende Grafik zum
Collection Complexity Score 2026 stellt die Inkassokomplexität in
führenden Absatzmärkten österreichischer Exporteure dar – gewichtet
nach deren Anteil an den Gesamtexporten.

Dabei wird deutlich: Hohe Exportvolumina bedeuten nicht
automatisch geringe Inkassorisiken. Unter den 20 wichtigsten
Exportdestinationen Österreichs zählen unter anderem China, die
Slowakei und Indien zu den anspruchsvolleren Märkten, wenn es um die
Durchsetzung offener Forderungen geht. Die Analyse zeigt zudem, dass
sich Inkassokomplexität je nach Markt aus unterschiedlichen Faktoren
speist – etwa aus Zahlungsgewohnheiten, gerichtlichen Verfahren oder
Insolvenzregelungen.

„Insolvenzverfahren und lokale Zahlungspraktiken bleiben weltweit
die zentralen Treiber der Inkassokomplexität. Selbst dort, wo
rechtliche Systeme grundsätzlich gut funktionieren, erschweren
strukturelle Unterschiede den internationalen Forderungseinzug –
insbesondere für exportorientierte Unternehmen“, so Meierschitz.

Zwtl.: Selektivität wird zum Wettbewerbsfaktor

Im Zuge der Neuausrichtung globaler Handelsströme gewinnen neue
Handels- und Produktionszentren – sogenannte ‚Next Generation Trade
Hubs‘ – an Bedeutung. Viele dieser Märkte weisen jedoch eine sehr
hohe bis extreme Inkassokomplexität auf. Für Unternehmen bedeutet
dies, internationale Geschäftsbeziehungen noch selektiver zu
gestalten und Risiken frühzeitig und gezielt abzusichern.

Die vollständige Studie finden Sie hier!

Über die Acredia Group:

ACREDIA ist internationaler Kreditversicherer mit Sitz in Wien
und Teil des globalen Allianz Trade Netzwerks. Mit einem
Forderungsvolumen von mehr als 35,7 Milliarden Euro sichert ACREDIA
Unternehmen im In- und Ausland zuverlässig gegen Zahlungsausfälle ab.
Anteilseigner sind die Oesterreichische Kontrollbank AG sowie Allianz
Trade, der Weltmarktführer in der Kreditversicherung. Im Jahr 2024
erwirtschaftete die ACREDIA-Gruppe einen Umsatz von 88,3 Millionen
Euro. www.acredia.at