Wien (OTS) – Insgesamt kamen in Österreich zuletzt 5231 Frühgeborene
zur Welt*.
Das entspricht einer Frühgeborenenrate von rund sieben Prozent. Jedes
zehnte Kind wird weltweit als Frühgeburt geboren. „Es braucht
dringend Hilfen für Frühchen-Eltern, die ihren erhöhten Begleitungs-
und Betreuungsbedarf berücksichtigen“, weist Diakonie-Sozialexperte
Martin Schenk auf fehlende soziale Rahmenbedingungen hin.
„Das bedeutet eine an den errechneten Geburtstermin angepasste
Laufzeit bei Karenz, Kinderbetreuungsgeld und benötigten
Hilfsmitteln. Weiters sollte mit einer erhöhten Familienbeihilfe für
Extrem-Frühchen oder kranke Neugeborene die Zeit des erhöhten
Pflegeaufwandes, z.B. bei Atemproblemen, Trinkschwäche oder
Entwicklungsverzögerung anerkannt werden“, legt Schenk, selbst
Psychologe, der Regierung wichtige Unterstützungen ans Herz.
„Wenn ein Baby als Frühchen auf die Welt kommt, stehen Eltern
plötzlich vor ganz neuen Fragen – und nach dem Krankenhausstart fühlt
sich „zu Hause“ nicht automatisch leicht an“, so der Experte.
Zwtl.: Berücksichtigung des errechneten Geburtstermins bei
Karenzzeiten, Kinderbetreuungsgeld und bei Bewilligung von
Hilfsmitteln
Nach wie vor sind Eltern von Frühgeborenen bei den geltenden
Regelungen zu Kinderbetreuungsgeld und Karenz benachteiligt.
Frühcheneltern oder Eltern kranker Neugeborener verbringen bis zu
vier und mehr Monaten nach der Geburt zunächst in der Klinik, während
Eltern Reifgeborener ihre Kinder meist 14 Monate zu Hause betreuen
können.
Die Monate in der Klinik fehlen am Ende und Frühcheneltern können
die aufgrund von Entwicklungsverzögerungen längere häusliche
Betreuung nicht wahrnehmen. Allein die rechnerische Betrachtung lässt
unberücksichtigt, dass Frühgeborene Entwicklungszeit nachholen müssen
und das erste Lebensjahr nicht selten von vielen
Nachsorgeuntersuchungen und Therapien geprägt ist.
Um diese Benachteiligung zu beheben, bedarf es einer Anpassung
von Karenzzeiten und Kinderbetreuungsgeld, die ab dem errechneten
Geburtstermin greift und den individuellen Entwicklungsstand des
Kindes berücksichtigt. Dies gilt auch für die Bewilligung von
medizinischen Hilfsmitteln: Jene werden wie eine Milchpumpe oder eine
Babywaage grundsätzlich für sechs Monate bewilligt, unabhängig davon
ob früh- oder reifgeborenes Kind – auch bei medizinischer Indikation
nicht länger.
Der erhöhte Pflegeaufwand von Frühchen sollte in Form von einer
Anerkennung von Pflegegeld wie in Deutschland, oder dem Anspruch auf
die erhöhte Familienbeihilfe für Extrem-Frühchen abgegolten werden.
Bei Frühchen ist es oft so, dass das Thema Nahrungsaufnahme eine
große Herausforderung darstellt. Das kommt einerseits daher, dass
viele Frühchen am Anfang im Krankenhaus intubiert oder mit Sonden
versorgt werden müssen. Deshalb sind sie oft vor allem im Mundraum
sehr empfindlich.
Zwtl.: Weiterentwicklung der Frühen Hilfen (0-3) zu allgemeinen
Kinder-Hilfen: nächster Schritt von 3 auf 6 Jahre
„Die bereits bestehenden „Frühen Hilfen“ sollten zu allgemeinen
Kinder-Hilfen weiterentwickelt werden“, schlägt Schenk vor. „Man
setzt bei den Entwicklungsherausforderungen des Kindes an und baut
die Unterstützungsmaßnahmen begleitend auf.“
Bei diesen miteinander verbundenen „Präventionsketten“ greifen
die einzelnen Ketten-Glieder verlässlich ineinander, damit die Kette
nicht reißen kann. Der Begriff Präventionsketten ist vielleicht ein
wenig missverständlich. „Es geht im Kern darum, Unterstützungsnetze
zu mobilisieren, die sozialstaatlich, institutionell, in der Gemeinde
und der Community zu finden sind“, erklärt Schenk.
„Die sozialen Dienstleistungen sind hier besonders bedeutsam.“ Es
beginnt immer rund um die Geburt im ersten Jahr mit den so genannten
„Frühen Hilfen“ und geht dann weiter bis ins Jugendalter. „Dieser
Ansatz, der in der Community Menschen verbindet, eingefahrene
Berufsbilder löst, Ressourcen und Geld mobilisiert, hat
beispielsweise in Dänemark viele Kinder gestärkt“, so Schenk. „Jetzt
könnte man die bestehenden Frühen Hilfen von 0-3 Jahren auf 3 bis 6
Jahre im ersten Schritt erweitern“.
Zwtl.: Was genau sind „Frühchen“?
Als Frühchen bezeichnet man all jene Kinder, die vor der
vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Die meisten
Frühgeborenen wiegen bei ihrer Geburt weniger als 2.500 Gramm.
Abhängig von Gestationsalter und Gewicht orientiert sich dann die
Intensität der Behandlung. Die meisten Frühgeborenen sind „späte
Frühchen“.
Zwtl.: Neuer Online Ratgeber „Kinder stärken“
Eltern, Pädagog:innen und alle, die viel mit Kindern und
Jugendlichen zu tun haben, finden unter
https://www.diakonie.at/kinder-eltern-ratgeber den neuen Online-
Ratgeber der Diakonie zum Thema „Kinder stärken“.
Hier dreht sich alles um die Gesundheit von Kindern und
Jugendlichen – besonders, wenn der Alltag schwierig ist. Ob chronisch
krank , Leben in Armut , Autismus & Neurodivergenz , psychische
Belastungen , Schule und Behinderung : Hier gibt es fundierte Infos
und ehrliche Einblicke.
*aktuell verfügbare Daten 2024, Statistik Austria.