Zwtl.: Eine ausdrücklich nicht repräsentative Studie
Nach Einschätzung der TKG hält der Forschungsbericht ausdrücklich
fest, dass es sich um „keine repräsentative Studie“ handelt. Die
Datenerhebung fand zwischen dem 17. September und dem 19. Dezember
2024 statt und wurde vom externen Meinungsforschungsinstitut Demox
Research durchgeführt. Die mediale Zuspitzung erfolgte erst im Mai
2026, also rund 17 Monate später.
Das vielfach zitierte Ergebnis von 41 Prozent ist kein
ungewichteter Rohwert, sondern ein rechnerisch gewichteter
Ergebniswert. Laut Forschungsbericht antwortete die Online-Gruppe
deutlich polarisierter als die Vor-Ort-Gruppe. Die Ursachen dafür
konnten demografisch nicht ausreichend erklärt werden. Dennoch wurden
beide Gruppen statistisch im Verhältnis 50:50 zusammengeführt.
Zwtl.: „Arabisierung“: Kein ausgewiesener empirischer Befund
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Aussage von Kenan Doğan
Güngör in Die Presse vom 7. Mai 2026 – also noch vor der öffentlichen
Präsentation der Studie: „Dadurch wird das Islamverständnis zunehmend
arabisiert.“ Nach Einschätzung der TKG ist dieser Begriff im
Forschungsbericht weder definiert noch als eigenständiger empirischer
Befund ausgewiesen.
Die TKG weist darauf hin, dass der Begriff „Arabisierung“ seit
Jahren Teil politischer Debatten im deutschsprachigen Raum ist und
keine neutrale wissenschaftliche Fachkategorie darstellt.
Was die TKG seit Jahren in Deutschland beobachtet, findet nach ihrer
Einschätzung nun auch Eingang in die österreichische Debatte. Der
Begriff „Arabisierung“ ist keine neutrale wissenschaftliche
Fachkategorie, sondern ein politisch stark aufgeladener Begriff.
Beispielhaft erklärte die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry
im Juni 2024 im Nachrichten-Talk „Stimmt!“: „Wir haben eine
Arabisierung der Türken.“
Quellen: „Wir haben eine Arabisierung der Türken!“ Nachrichten-
Talk „Stimmt!“, Juni 2024 YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=
lNIzUMwY64o
Wer als Studienleiter eines öffentlich finanzierten
Forschungsprojekts auftritt, sollte daher mit besonderer methodischer
Zurückhaltung zwischen empirischen Befunden und persönlichen
Interpretationen unterscheiden.
Zwtl.: Die eigentliche Datenerhebung erfolgte durch Demox Research
Die Datenerhebung wurde nicht von der Studienleitung selbst
durchgeführt, sondern vom Meinungsforschungsinstitut Demox Research.
Das Unternehmen ist Mitglied des Verbandes der Marktforschung
Österreich (VMÖ) und damit dem ICC/ESOMAR International Code on
Market, Opinion and Social Research and Data Analytics 2025
verpflichtet.
Zwtl.: Eltern müssen wissen, womit ihre Kinder konfrontiert wurden
Besonders kritisch sieht die TKG, dass 304 Minderjährige im Alter
von 14 bis 17 Jahren unter anderem mit der Aussage „Man muss bereit
sein, für die Verteidigung seines Glaubens zu kämpfen und zu sterben“
konfrontiert wurden. Die Befragung erfolgte laut Forschungsbericht in
Einkaufsstraßen, Shoppingcentern sowie online.
Viele Eltern in Österreich würden sich mit Recht fragen, ob sie
es akzeptieren würden, dass ihre minderjährigen Kinder ohne ihr
ausdrückliches Wissen und ohne nachvollziehbar dokumentierte
Zustimmung der Erziehungsberechtigten mit hochsensiblen Aussagen zu
Religion, Gewalt und persönlicher Opferbereitschaft konfrontiert
werden.
Zwtl.: Zentrale Befunde über Diskriminierung blieben im Hintergrund
Der Forschungsbericht hält in Kapitel 6 ausdrücklich fest, dass
muslimische Jugendliche signifikant häufiger Diskriminierung erfahren
als christliche Jugendliche. Kapitel 7.3 dokumentiert
muslimfeindliche Ressentiments innerhalb der Gesamtstichprobe. Nach
Einschätzung der TKG gehören diese Ergebnisse zum Kern der
Untersuchung und hätten mit derselben Deutlichkeit kommuniziert
werden müssen wie alarmierende Einzelwerte.
Zwtl.: Wo steht das alles in der Studie?
In einem Interview mit Die Presse erklärte Güngör unter anderem,
dass nicht-muslimische Kinder zum Islam konvertierten, dass es ein
„Wettrennen“ beim Ramadan-Fasten gebe und dass „vielen moderaten
Muslimen die Argumente gegen die Eiferer“ fehlten. Nach eingehender
Analyse des Forschungsberichts findet die TKG für diese Aussagen
keine unmittelbar ausgewiesene empirische Grundlage.
Zwtl.: Demokratie- und Ethikunterricht ja – Ressentiments nein
Die TKG unterstützt ausdrücklich die freiheitliche,
pluralistische und säkulare demokratische Rechtsstaatlichkeit der
Republik Österreich sowie einen verbindlichen Demokratie- und
Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler. Dafür bedarf es
jedoch keiner ausdrücklich nicht repräsentativen Studie, die nach
Einschätzung der TKG geeignet ist, zusätzliche Ressentiments
gegenüber muslimischen Kindern und Jugendlichen zu erzeugen.
Zwtl.: Wissenschaft und Meinungsforschung müssen Vertrauen schaffen
Gerade in einer pluralistischen und rechtsstaatlichen Demokratie
müssen seriöse Forschung und Meinungsforschung, insbesondere wenn sie
mit öffentlichen Geldern finanziert werden, Vertrauen stärken,
differenzieren und zur Versachlichung beitragen – nicht
gesellschaftliche Polarisierung vertiefen.
Die TKG verlangt, dass kritische Stimmen nicht durch
einschüchternde Anwaltsschreiben, unverhältnismäßige rechtliche
Schritte oder sonstige Druckversuche daran gehindert werden, ihre
legitimen demokratischen Rechte wahrzunehmen. Sachliche Kritik,
öffentliche Kontrolle und kritische Fragen sind ein unverzichtbarer
Bestandteil jeder funktionierenden demokratischen und
rechtsstaatlichen Ordnung.
Unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Forschung darf Meinungs-
und Sozialforschung nicht mit öffentlichen Geldern finanziert werden,
um als Machtinstrument für politische Deutungen zu dienen.
Meinungsforschung unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen
Forschung darf nicht als Machtinstrument mit politischen Deutungen
eingesetzt werden.
Die TKG erwartet verantwortungsvolles Handeln im Sinne der res
publica, des Gemeinwohls und der Republik Österreich.
“Vielgeprüftes Land” -Republik Österreich
Die in Deutschland und Österreich lebenden Menschen türkischer
Herkunft stammen überwiegend aus der Republik Türkei, einem
laizistischen Staat, der 1923 gegründet wurde und zu dessen Aufbau
auch zahlreiche Österreicherinnen und Österreicher sowie Deutsche
beigetragen haben. Dafür besteht aufrichtige Dankbarkeit.
Diese säkulare Staatsordnung in der Türkei ist in den vergangenen
Jahren zunehmend unter Druck geraten; aus Sicht vieler Beobachter
bestehen Bestrebungen, ihre grundlegenden Prinzipien schrittweise zu
verwässern, nachhaltig zu schwächen und letztlich zu beseitigen.
Historische geopolitische Entwicklungen, die im Kontext des Kalten
Krieges von westlichen Staaten mitgetragen wurden, haben dazu
beigetragen, dass sich langfristige Fehlentwicklungen verstärken
konnten. Seit 2015 sind zudem neue Herausforderungen hinzugekommen,
von denen insbesondere Menschen mit Wurzeln in der Türkei betroffen
sind. In einem pluralistischen Land wie Österreich müssen solche
Probleme gemeinsam, mit gutem Willen und auf der Grundlage der
freiheitlich-demokratischen, rechtsstaatlichen und säkularen Ordnung
zum Wohl des Landes und des Gemeinwohls (res publica) gelöst werden.
Die Republik Österreich – „dieses vielgeprüfte und vielgeliebte
Österreich, Heimat großer Töchter und Söhne „– verfügt über die
demokratische Reife, die hohe und tiefe geschichtliche Erfahrung
sowie die rechtsstaatliche Stärke, um auch diese Herausforderungen zu
bewältigen.
Die TKG wird dabei als verfassungstreue und wehrhafte Stimme der
Zivilgesellschaft, als Zusammenschluss von Verfassungspatriotinnen
und Verfassungspatrioten sowie als kritische Unterstützerin des
Gemeinwohls stets mit einer unabhängigen und wachsamen Stimme präsent
sein.
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TKG-Analyse : Die TKG fordert von den Verantwortlichen der Güngör
-Studie wissenschaftliche Verantwortung
