Erschwerter Zugang zu Fachärzt:innen verschlechtert Gesundheitsergebnisse

Wien (OTS) – Auf mittlerweile über 61.000 Unterstützer:innen kann
sich die
Petition für den Erhalt des freien Facharztzugangs zwischenzeitlich
berufen. „Wir freuen uns über diese enorme Unterstützung. Für die
Repräsentant:innen von Bund, Ländern und Sozialversicherung wäre
angesichts dieser Mobilisierung nun der richtige Augenblick, die
Debatte über Zuweisungszwang und Gatekeeping zu beenden. Statt hinter
verschlossenen Türen über Kostensenkung und Rationierung zu
verhandeln, braucht es eine positive Diskussion unter Einbindung
aller Gesundheitsberufe und ihrer Interessenvertretungen, um die
Patientenwege in Österreich zu verkürzen“, erklärte Orthopäde Florian
Mittermayer, Präsident des Berufsverbands Fachärzt:innen Österreich,
am Dienstag. Expert:innen aus vielen fachärztlichen Disziplinen
solidarisieren sich mit dieser Position. Mittermayer forderte mehr
Ehrlichkeit in der Debatte: „Skandinavische und nordische Gatekeeping
-Länder werden gerne als Positivbeispiele ins Treffen geführt. Bei
genauerem Hinsehen gibt es dort Diskussionen über lange Wartezeiten,
Zugänglichkeit und schwindendes Vertrauen ins Gesundheitswesen.“ Das
bestätigte auch Elisabeth Heere-Ress, die auf berufliche Erfahrung
als Dermatologin im Gatekeeping-Land Niederlande zurückgreift: „Die
Zahlen zeigen: Im Vergleich kann Österreich vielfach bessere
Gesundheitsergebnisse erzielen als Länder mit Zuweisungszwang und
Gatekeeping. In den Niederlanden gibt es beispielsweise keine
niedergelassenen Fachärzt:innen – sie arbeiten ausschließlich in
Spitälern. Die Folge sind längere Wartezeiten auf Facharzttermine und
schlechtere Gesundheits-Outcomes. Genau solche Verhältnisse wollen
und müssen wir in Österreich verhindern. Das kann und darf nicht
unser Vorbild sein [1]“.

„In Österreich, Deutschland und der Schweiz helfen Fachärzt:innen
traditionell dabei, Spitäler zu entlasten. Hier lässt sich noch
deutlich mehr erreichen, wenn man die Patientensteuerung weg von den
Spitalsambulanzen und hin zu niedergelassenen Fachärzt:innen
navigiert. Dort liegt das echte Einsparungspotenzial – und dort wird
auch die medizinische Qualität gesichert“, so die Expert:innen des
Berufsverbands Fachärzt:innen Österreich. Auch der Rechnungshof weist
im erst kürzlich veröffentlichten Bericht darauf hin, dass vor allem
die Spitäler die wesentlichen Kostentreiber im Gesundheitssystem
sind.

Österreich vielfach besser als Gatekeeping-Länder

HNO-Ärztin Verena Niederberger-Leppin und Internistin Bonni
Syeda, gemeinsam im Berufsverband Fachärzt:innen Österreich für die
Daten-Analyse zuständig, stellten klar: „Wir haben uns die Daten im
Detail angesehen. Die Gatekeeping-Länder Dänemark, Finnland und die
Niederlande haben höhere ambulante Versorgungskosten als Österreich
und die Schweiz, weil in diesen Ländern die Spitalsambulanzen der
wesentliche Kostenverursacher sind [2]. Zur Verbesserung der
Krebsüberlebensraten mussten in den Gatekeeping-Ländern Niederlande
und Dänemark zuletzt teure Reparaturmaßnahmen im Gesundheitssystem
gesetzt werden“, so die Fachärztinnen. Die Schweiz hat 2012 in einer
Volksabstimmung gegen Gatekeeping durch Hausärzt:innen gestimmt.
„Heute ist die Schweiz vielfach Vorreiterin bei Gesundheits-
Outcomes.“

Die Expertinnen weiter: „Und auch wir in Österreich verfügen über
ein Gesundheitssystem auf hohem Niveau. Das hat auch
Rechnungshofpräsidentin Kraker kürzlich im Radio deutlich gemacht.
Mit freiem Zugang zu Fachärzt:innen haben wir einen extrem geringen
unerfüllten medizinischen Versorgungsbedarf (Unmet medical need). Die
Niederlande liegen hier hinter Österreich, und die skandinavischen
Länder Dänemark, Norwegen und Finnland sind weit abgeschlagen [3].
Sogar bei der Lebenserwartung liegen wir sehr gut – trotz hoher
Zahlen bei Raucher:innen und Alkoholmissbrauch“, schloss Niederberger
-Leppin.

Quellen:

[1] Helsper CW, van Erp NF, Peeters PHM, de Wit NJ. Time to
diagnosis and treatment for cancer patients in the Netherlands: Room
for improvement? Eur J Cancer 2017; 87: 113–121.

[2] Eurostat hlth_sha11_hchp 2023, Outpatient curative &
rehabilitative care, % BIP. Länder: AT, CH, DK, FI, NL.

[3] Eurostat EU-SILC 2024 (hlth_silc_08), % aller Personen 16+
mit unerfülltem Bedarf (alle Gründe). CH: OECD Health at a Glance
2025 (0,5 %).

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Eipeldauer-Consulting e.U.

Mag. Michael Eipeldauer

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