Wien (OTS) – Frauen* mit Behinderungen sind aufgrund mehrfacher
Diskriminierungen
und struktureller Benachteiligungen besonders gefährdet, ökonomische
Gewalt zu erleben. Ökonomische Gewalt zeigt sich in einer
fremdbestimmten Kontrolle über die finanziellen Mittel, indem
verhindert wird, dass Frauen* mit Behinderungen wirtschaftlich
selbstständig sind, dass sie oft kein existenzsicherndes Einkommen
haben, sie finanziell abhängig gehalten oder in unbezahlte Care-
Arbeit gedrängt werden.
22,20 % der Frauen* mit Behinderungen sind armuts- und
ausgrenzungsgefährdet, dieser Anteil ist deutlich höher als bei
Frauen ohne Behinderungen und Männern mit Behinderungen.
Aufgrund von Barrieren und Vorurteilen ist ihnen der Zugang zum
Arbeitsmarkt erschwert. Wenn Frauen mit Behinderungen einen Job
finden, arbeiten viele von ihnen in Teilzeit und verdienen damit
weniger als Männer mit Behinderungen und Frauen ohne Behinderungen.
“ Es müssen barrierefreie Zugänge zu Ausbildung und Arbeit sowie
geschlechtsspezifisch angepasste Förderungen geschaffen werden, um
fair bezahlte Teilhabe am Arbeitsmarkt von Frauen* mit Behinderungen
zu ermöglichen. ” , fordert Manuela Lanzinger, Vizepräsidentin des
Österreichischen Behindertenrats.
„ Geld ist ein Thema für uns Frauen* mit Behinderungen, das uns
Angst macht. Durch das Leben mit Behinderungen und das Leben als Frau
ist es für uns mehrfach schwierig, ökonomische Sicherheit zu haben. “
Heidemarie Egger, Co-Vorsitzende von FmB – Interessensvertretung
Frauen* mit Behinderungen
Isabell Naronnig, Verein NINLIL, Leitung Frauen* Peer Beratung
ergänzt: “ Existenzängste stehen oft im Mittelpunkt unserer
Beratungen mit Frauen*mit Behinderungen. Finanzielle Unabhängigkeit
ist ein wichtiger Faktor, um selbstbestimmt leben zu können. “
Ökonomische Gewalt ist nicht nur eine Frage finanzieller
Ressourcen, sondern existiert in einem System, dass nicht auf die
Selbstbestimmung Betroffener ausgerichtet ist.
Manuela Lanzinger fügt hinzu: „ Ein Leben als Frau* mit
Behinderungen zu organisieren, kostet viel Zeit und Energie. Die
föderalen und bürokratischen Strukturen schaffen zusätzlich
Barrieren. “
Frauen* mit Behinderungen brauchen existenzsichernde
Unterstützungsleistungen, entsprechende Begleitstrukturen, Zugang zum
Arbeitsmarkt und Finanzbildung. Nur so lassen sich Abhängigkeiten zu
Familie, Partner*innenschaft oder Institutionen reduzieren und das
Risiko, Gewalt zu erleben, minimieren.