Wien (OTS) – Die grüne Sprecherin für Umwelt und
Entwicklungszusammenarbeit, Tina
Wirnsberger, übt scharfe Kritik an der derzeitigen Praxis rund um
Altkleidercontainer in Wien: „Was nach Wohltätigkeit aussieht, ist in
Wahrheit oft ein profitables Geschäftsmodell mit zweifelhaftem
ökologischen und sozialen Nutzen. Wien braucht ein transparentes,
ökologisch sinnvolles und sozial gerechtes Altkleidersystem – keine
gewinnorientierte Schattenwirtschaft auf Kosten der Umwelt und des
Globalen Südens“, so Wirnsberger, und weiter: „Das kann nur gelingen,
wenn die Stadt Wien die Sammlung, Sortierung und Weiterverwertung der
Altkleider selbst in die Hand nimmt und das System der MA48 ausbaut.“
Die Grünen kündigen in diesem Zusammenhang eine schriftliche Anfrage
an den zuständigen Stadtrat Jürgen Czernohorsky an.
Laut aktuellen Berichten von Südwind und Greenpeace führt die
Praxis des Altkleiderexports insbesondere in afrikanische Länder zu
massiven Problemen vor Ort: Große Teile der gelieferten Kleidung sind
unbrauchbar und enden als Müll auf lokalen Deponien, die mittlerweile
eine ausufernde Umweltbelastung sind. Dies bestätigt auch eine Studie
des Umweltbundesamts (2022). Zudem schwächt die Konkurrenz durch
billige Second-Hand-Kleidung aus Europa die lokale Textilindustrie.
„Wer glaubt, mit einer Kleiderspende Gutes zu tun, unterstützt unter
Umständen unwissentlich ein System, das Umweltzerstörung exportiert“,
so Wirnsberger.
Öffentlicher Raum keine billige Infrastruktur für
gewinnorientierte Unternehmen
Besonders die beiden großen Betreiber HUMANA und Öpula stehen
regelmäßig in Kritik. Unter dem Deckmantel karitativer Zwecke
scheinen sie zunehmend wie kommerzielle Textilverwerter zu agieren.
„Nur ein Bruchteil der gespendeten Kleidung landet tatsächlich bei
Bedürftigen oder im karitativen Verkauf in Wien. Der Rest wird mit
enormen ökologischen Folgen im EU-Ausland aussortiert, verbrannt oder
landet als Müll in Ländern des Globalen Südens“, kritisiert
Wirnsberger.
Die Konkurrenz zwischen HUMANA und Öpula führt auch regelmäßig zu
juristischen Auseinandersetzungen. Öpula verklagte auch die Caritas
postwendend, nachdem diese 2014 die Zusammenarbeit mit dem
Großbetreiber beendete. „Das ist kein Zeichen für ein
funktionierendes, gemeinwohlorientiertes System, sondern vielmehr der
Kampf um profitable Marktanteile“, so Wirnsberger.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die oft überfüllten Container
werden häufig durchwühlt. Zurück bleiben vermüllte Straßen, ein
zunehmendes Ärgernis für Anrainer:innen. „Die Stadt Wien muss hier
die Betreiber in die Pflicht nehmen. Der öffentliche Raum ist
Gemeingut, keine billige Infrastruktur für gewinnorientierte
Unternehmen“, so Wirnsberger abschließend.