Industrie kämpft weiterhin mit Fachkräftemangel – HTL-Absolvent:innen dringend gesucht

Wien (OTS) – Die heute veröffentlichte Studie „HTL-Qualifikationen
für die
österreichische Industrie“, beauftragt vom Fachverband der
Metalltechnischen Industrie (FMTI), dem Fachverband der Elektro- und
Elektronikindustrie (FEEI), dem Österreichischen Verband für
Elektrotechnik (OVE) und der Industriellenvereinigung (IV), zeigt
eine zentrale Schwachstelle des heimischen Arbeitsmarkts: den
eklatanten Mangel an HTL-Absolvent:innen. Die Analyse des
Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) zeigt nicht nur das
Ausmaß der derzeit bestehenden Lücke, sondern gibt auch einen
Ausblick auf den sich verschärfenden Mangel an Fachkräften mit HTL-
Hintergrund bis 2030. Die Studienergebnisse unterstreichen die
strategische Bedeutung der Ausbildungsform Höhere Technische
Lehranstalt als Rückgrat der technisch-industriellen Qualifikation in
Österreich.

„Die Innovationskraft unserer Mitgliedsbetriebe basiert unter
anderem auf den gut ausgebildeten HTL-Absolvent:innen. Ein weiterer
Rückgang bei der Zahl der Abschlüsse würde unseren Standort noch
weiter schwächen. Die Politik ist jetzt gefordert, die nötigen
Ressourcen – vor allem auch ausreichend qualifizierte Lehrkräfte –
bereitzustellen. Nur mit genügend gut ausgebildeten Fachkräften
können Unternehmen ihre Innovationskraft erhalten und damit den
Wohlstand sichern“, sagt Christian Knill, Obmann des Fachverbands
Metalltechnische Industrie.

Im Rahmen der Studie wurden das bestehende HTL-Ausbildungsangebot
in Österreich sowie der Fachkräftebedarf in der Industrie auf
regionaler Ebene untersucht: Wie gut passen Angebot und Nachfrage am
Arbeitsmarkt zusammen und wo bestehen Potenziale für den Ausbau.
Ergänzend flossen Interviews mit Personalverantwortlichen ein, um
aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen aus betrieblicher Sicht
zu beleuchten.

Kernbereiche besonders betroffen

Derzeit fehlen der Industrie österreichweit rund 10.000 HTL-
Absolvent:innen – bis 2030 könnte dieser Mangel auf bis zu 16.000
anwachsen. Besonders betroffen sind jeweils die Kernbereiche der
untersuchten Branchen: In der Elektro- und Elektronikindustrie fehlen
aktuell insgesamt 3.400 HTL-Absolvent:innen. Davon entfallen rund 38
Prozent, das sind etwa 1.300 Fachkräfte, auf die Kompetenzfelder
Elektronik und Elektrotechnik im engeren Sinn. In der
Metalltechnischen Industrie fehlen insgesamt 3.600 HTL-
Absolvent:innen, davon entfällt rund ein Drittel (etwa 1.200 Personen
) auf die Kompetenzfelder Metalltechnik und Elektrotechnik. Hinzu
kommt in beiden Industriesparten ein wachsender Bedarf an IT-
Fachkräften mit HTL-Background – aktuell fehlen hier rund 900
Fachkräfte –, der durch den digitalen Wandel zusätzlich befeuert
wird.

Fachkräftemangel bleibt hochaktuell – trotz Konjunkturschwäche

„Die Ergebnisse der Studie bestätigen, was unsere
Mitgliedsbetriebe seit Jahren erleben: Der Fachkräftemangel ist
längst Realität. Es fehlt an entscheidenden Kompetenzen zur
Aufrechterhaltung des industriellen Kerngeschäfts – und damit an der
Fähigkeit, die heimische Marktposition zu sichern. Auch wenn derzeit
in einzelnen Branchen Stellen abgebaut werden, bleibt der
Fachkräftemangel hochaktuell. Die Studie belegt: Wir müssen jetzt
handeln, damit wir den Bedarf auch in Zukunft decken können, denn
Ausbildungen brauchen Zeit“, sagt Wolfgang Hesoun, Obmann des
Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie.

„Qualifizierte Fachkräfte sind eine wesentliche Voraussetzung für
eine erfolgreiche Energiewende, eine nachhaltige Wirtschaft und einen
starken Wirtschaftsstandort. Die HTL-Ausbildung nimmt hier eine
besonders wichtige Rolle ein. Wir müssen daher in die Zukunft
investieren und diese Ausbildungsform weiter stärken“, bekräftigt
auch OVE-Präsident Gerhard Fida.

HTL-Ausbildung als Rückgrat der Industrie

Die Studie zeigt deutlich, dass die HTL-Ausbildung ein
unverzichtbarer Bestandteil des technisch-qualifizierenden
Ausbildungssystems in Österreich ist. Große Bedeutung wird der
Kombination aus Theorie- und Praxisbezug im Technikbereich
zugeschrieben, stark gefragt sind auch überfachliche Kompetenzen wie
Englischkenntnisse, Projektmanagement-Skills und Teamfähigkeit.
Gleichzeitig ist die HTL-Ausbildung ein Schlüssel zur
Innovationskraft der Industrie: Sie bringt nicht nur dringend
benötigte Fachkräfte hervor, sondern schafft auch die Grundlage für
die technologische Weiterentwicklung und langfristige
Wettbewerbsfähigkeit.

Regionale Unterschiede

Aktuell bleibt österreichweit jede vierte Stelle in diesem
Bereich unbesetzt. Der Mangel an HTL-Fachkräften ist in allen
Bundesländern gegeben, jedoch regional unterschiedlich ausgeprägt. In
Wien fehlen in absoluten Zahlen aktuell rund 2.400 HTL-
Absolvent:innen – das ist der höchste Bedarf im gesamten
Bundesgebiet, dahinter folgen Oberösterreich (1.950) und die
Steiermark (1.500). Gleichzeitig sind die westlichen Bundesländer wie
Tirol und Vorarlberg mit einem stärkeren relativen Mangel von bis zu
26 Prozent konfrontiert – also dem Anteil an offenen Stellen, den
Unternehmen trotz intensiver Bemühungen nicht besetzen können. Der
Blick in die Zukunft zeigt, dass sich die Situation weiter zuspitzen
wird: Bis 2030 werden voraussichtlich bereits rund 40 Prozent der
benötigten Fachkräfte mit fundierter HTL-Ausbildung fehlen.

Ost-West-Gefälle auch bei Ausbildung

Nicht nur beim Fachkräftebedarf, sondern auch hinsichtlich der
Verfügbarkeit passender HTL-Ausbildungen zeigt sich ein Ost-West-
Gefälle. Hotspots mit besonders relevanten HTL-Ausbildungen und
spezifischen Schwerpunkten für die Industrie finden sich vorrangig im
Nordosten und Süden Österreichs – Wien und Mödling stechen als
zentrale Regionen hervor. Im Westen hingegen fehlen spezialisierte
HTL-Standorte, was das bestehende Ost-West-Gefälle künftig weiter
verschärft. In Salzburg, Tirol und Vorarlberg werden gemeinsam und in
Summe nur 15 Prozent des gesamten HTL-Fachkräftepools ausgebildet.

„Mit der HTL verfügt Österreich über ein Standortasset der
Extraklasse, um das wir auf der ganzen Welt beneidet werden. Eine
Schule, deren Absolventinnen und Absolventen von der Industrie mit
Bestnoten beurteilt werden und in manchen Tätigkeitsbereichen klar
mit den Hochschulen mithalten können. Wir befinden uns heute im
Technologiezeitalter, Technik und Innovation sind die Währung der
Zukunft. Als `Technikschule der Zukunft` müssen wir die HTL daher im
Rahmen einer umfassenden Fachkräftestrategie stärken und im Sinne des
+20% MINT-Zieles der Bundesregierung entlang einer Roadmap ausbauen“,
so Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung.

Studie verdeutlicht Handlungsbedarf

Der demographische Wandel und der zunehmende Wettbewerb zwischen
den Branchen verschärfen die Lage zusätzlich. Unternehmen können
diese Herausforderungen nicht allein bewältigen. Es braucht gezielte
politische und bildungspolitische Maßnahmen zur Stärkung und zum
Ausbau der HTL, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie durch gut
ausgebildete Fachkräfte zu sichern.

Über den FMTI – Fachverband Metalltechnische Industrie

Die Metalltechnische Industrie (MTI) ist Österreichs stärkste
Branche und bildet das Rückgrat der heimischen Industrie. Sie
erwirtschaftet einen Produktionswert von rund 45,2 Milliarden Euro (
2024), beschäftigt direkt rund 135.000 Menschen und sichert damit
indirekt bis zu 300.000 Arbeitsplätze in Österreich. Die
exportorientierte Branche ist mittelständisch strukturiert, besteht
zu mehr als 85 % aus Familienunternehmen und ist für ein Viertel
aller österreichischen Exporte verantwortlich.
Insgesamt sind im Fachverband Metalltechnische Industrie über 1.100
Unternehmen vertreten, die unter anderem in den Bereichen
Maschinenbau, Metallwaren, Anlagenbau, Stahlbau und Gießerei tätig
sind. Rund 800 davon haben ihren Produktionsschwerpunkt in der
Metalltechnischen Industrie und wenden den Kollektivvertrag der MTI
an.
Der Fachverband Metalltechnische Industrie ist einer der größten
Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände Österreichs und eine
eigenständige Organisation im Rahmen der Wirtschaftskammer
Österreich.
www.metalltechnischeindustrie.at/
Obmann: Mag. Christian Knill
Geschäftsführerin: Dipl.-iur. Sabine Hesse, MBA
Rückfragen: Mag. Harald Rankl, T +43/5/90900–3479, [email protected]

Über den FEEI – Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie vertritt in
Österreich die Interessen des drittgrößten Industriezweigs mit rund
300 Unternehmen, rund 72.500 Beschäftigten und einem Produktionswert
von 23,4 Milliarden Euro (Stand 2024). Gemeinsam mit seinen
Netzwerkpartnern – dazu gehören u. a. die Fachhochschule Technikum
Wien, UFH, die Plattform Industrie 4.0, Forum Mobilkommunikation (FMK
), der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) und der
Verband der Bahnindustrie – ist es das oberste Ziel des FEEI, die
Position der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie im
weltweit geführten Standortwettbewerb zu stärken.
www.feei.at
Obmann: Ing. Wolfgang Hesoun
Geschäftsführerin: Mag. Marion Mitsch
Rückfragen: MMag. Katrin Prüller-Nußbaumer, T +43/1/588 39-63, M +
43/664/619 2509, [email protected]

Über den OVE

Der OVE Österreichischer Verband für Elektrotechnik gestaltet als
unabhängige Branchenplattform die Zukunft der Elektrotechnik und
Informationstechnik aktiv mit. Der OVE vernetzt Industrie und
Gewerbe, Energiewirtschaft, Wissenschaft und Forschung sowie
Anwender:innen und fördert mit zahlreichen Weiterbildungsangeboten
und Nachwuchsinitiativen den Erfolg der Branche. Als
elektrotechnische Normungsorganisation sowie mit seinen weiteren
Kernbereichen Zertifizierung und Blitzforschung vertritt der Verband
die österreichischen Interessen offiziell in internationalen Gremien.
Für weitere Informationen besuchen Sie unsere Website
www.ove.at .
Präsident: Gerhard Fida
Generalsekretär: Dipl.-Ing. Peter Reichel
Rückfragen: Mag. Cornelia Schaupp, T +43/1/587 6373–534, M +
43/664/968 04 76, [email protected]

Über die IV

Die Industriellenvereinigung (IV) ist die freiwillige und
unabhängige Interessenvertretung der österreichischen Industrie und
der mit ihr verbundenen Sektoren. Als anerkannter Partner der Politik
arbeitet sie an der positiven Weiterentwicklung Österreichs. Die IV
vertritt die Anliegen ihrer aktuell mehr als 5.000 Mitglieder aus
produzierendem Bereich, Kreditwirtschaft, Infrastruktur und
industrienaher Dienstleistung in den Bundesländern, auf Bundesebene
und in Europa als Mitglied des Arbeitgebersozialpartners Business
Europe. Effizient aufgestellt ist die IV für ihre Mitglieder eine
Plattform für die Mitgestaltung in industrie-, wirtschafts- und
gesellschaftspolitischen Fragen.
www.iv.at
Präsident: Georg Knill
Generalsekretär: Mag. Christoph Neumayer
Rückfragen: Marlena Mayer, BA, T +43/1/711 35-2315, marlena.mayer@
iv.at