KTM-Chef Neumeister im „trend“: „Noch drei bis sechs holprige Monate“

Wien (OTS) – Gottfried Neumeister, seit Anfang September 2024 im
Vorstand der KTM
AG und seit Jänner alleiniger CEO, kritisiert in seinem ersten großen
Interview in dieser Funktion das Management der letzten Jahre: „KTM
hat über Jahrzehnte das Ziel verfolgt, der Beste zu sein. Leider ist
man von diesem Ziel in den letzten Jahren ein wenig abgekommen.“

In der Jubiläumsausgabe des Wirtschaftsmagazins „trend“, die
heute erscheint, sagt der Manager, dass der Motorradhersteller
Kundenorientierung und Qualität zugunsten der Größe vernachlässigt
habe. Die Folge: Ein ganzer Jahresbestand an Motorrädern, 270.000
Bikes, wurden auf Lager produziert. Mit dem Einstieg ins
Fahrradgeschäft und der Expansionsstrategie habe sich KTM zudem
„verzettelt“, so Neumeister: „Ja, es gab Managementfehler, und ich
finde, man muss selbstkritisch sein, weil sonst kann man gar nicht
aus einer Krise lernen. Das Management hat selbst persönlich die
Konsequenzen daraus gezogen. Für uns ist wichtig, dass wir den Kunden
wieder in den Mittelpunkt stellen.“

Nach der Rettung durch den langjährigen indischen KTM-Partner
Bajaj und dem Wiederhochfahren der Produktion im Innviertel im Juni
sieht sich das neue Management auf einem guten Weg. 2026 werde zwar
weiter Verluste bringen, 2027 aber Cashflow-positiv sein; auch ein
positives operatives Ergebnis (Ebit) soll übernächstes Jahr bereits
wieder erwirtschaftet werden.

Die jüngsten Äußerungen des künftigen Haupteigentümers Rajiv
Bajaj zum Standort Europa („Die europäische Produktion ist tot“)
interpretiert Neumeister als „provokanten Weckruf“. Dieser bedeute,
„dass wir auch in Österreich unsere Prozesse effizienter gestalten
und unsere Kosten in den Griff bekommen müssen“. Nachsatz: „Ich werde
jedenfalls alles daransetzen, Know-how und Wertschöpfung im Land zu
halten, so weit es wirtschaftlich darstellbar ist.“