Wien/Linz (OTS) – Der gestern präsentierte Sozialplan für die 500 von
Kündigungen
betroffenen KTM-Mitarbeiter:innen ist ein wichtiger erster Schritt.
Doch die eigentliche Herausforderung beginnt erst: Wie gelingt die
Wiedereingliederung dieser Menschen in den Arbeitsmarkt? arbeit plus
– Soziale Unternehmen Österreich und die Sozialplattform
Oberösterreich fordern: Jetzt braucht es aktive Arbeitsmarktpolitik
statt bloßer Verwaltung.
„Der Sozialplan federt den ersten Schock ab – doch dann beginnt
die eigentliche Arbeit“, erklärt Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin
von arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich. „500 Menschen
stehen vor der Herausforderung, sich am Arbeitsmarkt neu zu
orientieren. In einer Region mit einer hohen Arbeitslosigkeit braucht
es jetzt gezielte Unterstützung: intensive Beratung, Qualifizierung
und – wo nötig – den Einsatz Sozialer Unternehmen. Die
Insolvenzstiftung des Landes ist ein richtiges Instrument.
Entscheidend wird sein, wie konsequent es genutzt wird.“
Zwtl.: Integration statt Abwarten – Soziale Unternehmen als Partner
Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen: In Oberösterreich waren im
Jänner 49.069 Personen arbeitslos (-0,4 Prozent im Vergleich zu den
Vorjahreszahlen). Doch die strukturellen Probleme sind massiv:
Arbeitslose Frauen +2,4 Prozent, über 50-Jährige +1,3 Prozent,
langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose sogar +22,3 Prozent.
Bundesweit sind aktuell 101.536 Menschen aller arbeitslosen Menschen
langzeitbeschäftigungslos (+14,1 Prozent). (Presseaussendung
4.2.2026: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260204_OTS0092 )
„Die KTM-Kündigungen treffen eine Region, in der der Arbeitsmarkt
bereits unter Druck steht“, betont Stefan Thurner, Geschäftsführer
der Sozialplattform Oberösterreich. „Gerade bei Betriebsschließungen
und Massenentlassungen zeigt sich, wie wichtig eine funktionierende
aktive Arbeitsmarktpolitik und die regionale Verfügbarkeit ist.“
Und Thurner ergänzt: „Die Berater:innen der Sozialen Unternehmen
sind in der Region gut mit den Betrieben vernetzt. Sie haben
jahrelange Expertise bei Bewerbungsaktivitäten zu unterstützen. Und
das wird notwendig sein, denn so mancher hat seinen letzten
Lebenslauf vor 20 Jahren erstellt. Die Sozialen Unternehmen in
Oberösterreich stehen bereit – wir haben die Erfahrung, die
Strukturen und die Expertise, um Menschen beim Wiedereinstieg zu
begleiten. Aber dafür brauchen wir Planungssicherheit und
ausreichende Finanzierung, nicht Budgetkürzungen.“
Zwtl.: Verfestigung verhindern – jetzt investieren
Die Gefahr bei Massenentlassungen: Aus kurzer Arbeitslosigkeit
wird Langzeitarbeitslosigkeit. Die aktuellen Zahlen belegen diese
Dynamik: Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen wächst
österreichweit mit +14,1 Prozent fast viermal so schnell wie die
Gesamtarbeitslosigkeit (+3,8 Prozent).
„Langzeitbeschäftigungslosigkeit darf nicht zum Dauerzustand
werden“, warnt Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende arbeit plus
Österreich. „Wir brauchen eine Aufstockung der Mittel für intensive
Betreuung und Qualifizierung. Soziale Unternehmen wie unsere
Mitglieder bieten bewährte Modelle für arbeitsmarktferne Menschen.
Diese Strukturen müssen ausgebaut und langfristig abgesichert werden,
statt sie durch Budgetkürzungen zu gefährden. Wenn wir den weiteren
Anstieg von Langzeitbeschäftigungslosigkeit verhindern wollen, müssen
wir jetzt investieren – in Qualifizierung, in intensive Betreuung, in
Soziale Unternehmen!“
Rehbichler ergänzt: „Kontraproduktives Sparen bei aktiver
Arbeitsmarktpolitik wird uns später ein Vielfaches kosten. Die
Verfestigung von Arbeitslosigkeit kostet nicht nur
volkswirtschaftlich – sie bedeutet vor allem menschliche Schicksale,
zerbrochene Perspektiven und soziale Ausgrenzung. Die 500 betroffenen
KTM-Mitarbeiter:innen haben ein Recht auf echte Chancen, nicht nur
auf Verwaltung ihrer Arbeitslosigkeit.“
Zwtl.: Oberösterreich als Praxistest für aktive Arbeitsmarktpolitik
Stefan Thurner sieht in den kommenden Monaten einen Praxistest
für Oberösterreichs Arbeitsmarktpolitik: „Die Insolvenzstiftung ist
da – jetzt muss sie wirken. Soziale Unternehmen können dabei eine
Schlüsselrolle spielen: bei der Qualifizierung, bei der Begleitung in
den ersten Arbeitsmarkt, bei der Integration arbeitsmarktferner
Menschen.
„Was zentral ist für funktionierende aktive Arbeitsmarktpolitik,
ist die Absicherung Sozialer Unternehmen“, sagt Rehbichler
abschließend. „Dazu braucht es mehrjährige Finanzierungsverträge –
nicht Kürzungen, die dem AMS in den Bundesländern nur Zusagen für
sechs oder neun Monate ermöglichen. Wir brauchen Anerkennung als
systemrelevante Säule der Arbeitsmarktpolitik, nicht als ‚Good-Will-
Projekt‘. Weil Verantwortung sich rechnet.“
Zwtl.: Was jetzt gebraucht wird:
1. Konsequente Nutzung der Insolvenzstiftung für intensive Begleitung
und Qualifizierung
2. Einbindung Sozialer Unternehmen bei schwer vermittelbaren
Betroffenen
3. Altersgerechte Maßnahmen für ältere KTM-Mitarbeiter:innen (
Durchschnittsalter!)
4. Langfristige Absicherung der Sozialen Unternehmen statt Budget-
Unsicherheit