Mehr Lungenembolien bei höherem Feinstaub und Luftdruck

Wien (OTS) – Eine Analyse der Medizinischen Universität Wien weist
darauf hin,
dass kurzfristige Anstiege bei Feinstaub und Luftdruck mit mehr
Diagnosen von Lungenembolien einhergehen, nicht aber mit schwereren
Krankheitsverläufen. Die Ergebnisse wurden im Journal Research and
Practice in Thrombosis and Haemostasis publiziert.

Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien
untersuchte, ob kurzfristige Umweltbelastungen das Auftreten von
Lungenembolien beeinflussen könnten. Die Lungenembolie zählt zu den
potenziell lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neben
etablierten Risikofaktoren wie Operationen, Immobilisation oder
Krebserkrankungen wird seit einigen Jahren diskutiert, ob auch
Luftverschmutzung und meteorologische Bedingungen das Risiko
mitbestimmen könnten.

Zwtl.: Umweltfaktoren als mögliche Trigger zusätzlich zu klassischen
Risikofaktoren

In die Kohortenstudie wurden 969 Patientinnen und Patienten am
Universitätsklinikum AKH Wien mit bestätigter akuter Lungenembolie
aufgenommen. Analysiert wurden Kurzzeit-Expositionen in den Tagen vor
der Diagnose. Die Umweltdaten zu Feinstaub PM2,5 und PM10, Luftdruck
und Temperatur stammten aus Messnetzen von GeoSphere Austria sowie
aus städtischen Messstationen der Stadt Wien.

Zwtl.: Mehr Diagnosen bei höheren Feinstaubwerten und höherem
Luftdruck

Die Auswertung zeigte eine Assoziation zwischen Umweltbelastung
und der Häufigkeit von Lungenembolien. In Phasen mit höheren
Feinstaubwerten sowie erhöhtem Luftdruck wurden mehr Lungenembolien
diagnostiziert. Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei
Patientinnen und Patienten ohne erkennbare auslösende Risikofaktoren,
also bei unprovozierter Lungenembolie, sowie bei ambulant
diagnostizierten Fällen. Bei bereits stationär aufgenommenen
Patientinnen und Patienten zeigten sich hingegen keine klaren
Effekte.

Für die klinische Schwere der Lungenembolie fanden sich keine
Zusammenhänge mit Feinstaub, Luftdruck oder Temperatur. Das spricht
dafür, dass die untersuchten Umweltfaktoren eher mit dem Auftreten
zusätzlicher Ereignisse in Verbindung stehen könnten, nicht aber mit
einer Verschiebung hin zu schwereren Krankheitsbildern bei
Diagnosestellung.

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass kurzfristige Anstiege von
Feinstaub und Luftdruck mit mehr Lungenembolien einhergehen,
besonders bei Patientinnen und Patienten ohne klassische
Risikofaktoren“, sagt Erstautor Stephan Nopp von der Klinischen
Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der Universitätsklinik
für Innere Medizin I der MedUni Wien und des AKH Wien. „Das
unterstreicht, dass Umweltbelastungen als potenzielle Auslöser
mitgedacht werden sollten, auch wenn die beobachteten Effekte auf
individueller Ebene gering sind.“

Studienleiter Cihan Ay, Klinische Abteilung für Hämatologie und
Hämostaseologie, betont: „Es handelt sich um eine beobachtende
Einzelzentrumsstudie, aus der sich keine Ursache-Wirkungs-Beziehung
ableiten lässt. Die Ergebnisse liefern jedoch einen weiteren
Baustein, um die Rolle modifizierbarer Umweltfaktoren bei
thromboembolischen Erkrankungen besser zu verstehen.“

Das Team sieht weiteren Bedarf für multizentrische Studien in
unterschiedlichen Klimaregionen sowie für Untersuchungen zu
biologischen Mechanismen, etwa Entzündung, endotheliale Dysfunktion
und prothrombotische Aktivierung, um die Befunde zu prüfen und besser
einzuordnen.

Publikation: Research and Practice in Thrombosis and Haemostasis
Association of air pollution and atmospheric conditions on pulmonary
embolism incidence and severity
Stephan Nopp, Julia Bohnert, Thomas Mayr, Daniel Steiner, Ingrid
Pabinger, Cihan Ay
https://doi.org/10.1016/j.rpth.2026.103394