Wien (OTS) – Migräne ist eine ernstzunehmende, quälende neurologische
Erkrankung,
die medizinisch behandelt werden sollte. Bleibt sie unbehandelt, kann
sie sich zu einem chronischen Problem entwickeln und das Leben der
Betroffenen und deren Angehörigen schwer beeinträchtigen.
Migräne ist heute sehr gut behandelbar. Voraussetzung für eine
wirksame Therapie ist aber eine gesicherte Diagnose, die am besten
durch einen Neurologen gestellt werden kann. Denn dann, und nur dann,
können moderne hochwirksamen Medikamente zur Attacken-Vorbeugung
verschrieben werden.
Doch handelt es sich bei starkem Kopfschmerz immer um Migräne? Eine
Checkliste hilft bei der Selbsteinschätzung, ob eine Migräne
vorliegen kann und das Aufsuchen eines Facharztes somit dringend
angeraten ist.
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde auf eine
gendergerechte Schreibweise verzichtet.
Migräne – quälende Erkrankung, die viele trifft
12-13% der Bevölkerung leiden weltweit daran, also eine knappe
Milliarde Menschen. In Österreich wird die Lebensqualität von über
einer Million Menschen durch immer wiederkehrende Migräne-Attacken
stark in Mitleidenschaft gezogen. Frauen sind häufiger davon
betroffen als Männer. Auch wenn die „Volkskrankheit“ Migräne somit im
Schnitt jeden Achten betrifft, ist Außenstehenden oft nicht klar, wie
quälend und das gesamte Leben einschränkend diese neurologische
Erkrankung sein kann.
„Richtig schlimm …“
„Migräne-Attacken können richtig schlimm sein: Schier
unerträgliche Kopfschmerzen, häufig gepaart mit Übelkeit und
Erbrechen – die Beschwerden sind oftmals so massiv, dass die
Betroffenen überhaupt keiner Tätigkeit mehr nachgehen können. Egal ob
Arbeit, familiäre Aufgaben, Verabredungen mit Freunden – alles muss
abgesagt werden. Man möchte nur mehr liegen und das am besten in
einer vollkommen reizarmen Umgebung, wie einem abgedunkelten, ruhigen
Raum. Ein Zustand, der von einigen Stunden bis zu drei Tagen andauern
kann“, verdeutlicht der Migränespezialist Dr. Manfred Eder ,
niedergelassener Neurologe in Groß-Enzersdorf.
Aufklärungs- und Informationsbedarf nach wie vor groß
Doch nicht nur im sozialen Umfeld, sondern auch bei vielen
Menschen, die selbst an Migräne leiden, besteht nach wie vor großer
Informationsbedarf, weiß Dr. Eder aus der Praxis. „Migräne wird von
Außenstehenden leider oft nicht ernstgenommen und in der Folge auch
von Betroffenen, vor allem wenn sie sehr leistungsorientiert sind,
häufig bagatellisiert. Das ist ein weit verbreitetes Problem. Statt
einen Arzt zu konsultieren, wird dann versucht, die Schmerz-Attacken
mittels Eigenmedikation in den Griff zu bekommen. Dadurch gerät man
aber in Gefahr, einen sogenannten
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu entwickeln. Darüber hinaus
kann die Erkrankung, so sie unbehandelt bleibt, fortschreiten und
chronisch werden. Ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss:
durch eine möglichst frühzeitige Diagnose und eine gezielte, wirksame
Therapie“, wie Neurologe Eder betont.
Migräne ist heute besser behandelbar denn je
„Sowohl bei der Behandlung einer Migräne-Attacke als auch zur
Vorbeugung, also um die Häufigkeit und Heftigkeit der Anfälle zu
reduzieren, haben wir heute verschiedene hochwirksame Medikamente zur
Hand. Vor allem auf dem Gebiet der Vorbeugung, also der Prophylaxe,
hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan. Ab vier Migräne-
Tagen pro Monat können Medikamente zur Migräne-Prophylaxe
verschrieben werden.“
Moderne Antikörper-Therapien, die heute bei der Migräne-
Prophylaxe zum Einsatz kommen, sind nicht nur sehr wirksam und
nebenwirkungsarm, sie müssen auch nicht täglich angewendet werden wie
früher verordnete Medikamente. Je nach Präparat werden sie entweder
nur mehr viermal pro Jahr als Migräne-Infusion, die ca. 30 Minuten
dauert, vom Arzt verabreicht, oder die Betroffenen nutzen einen
Fertigpen, mit dem sie sich einmal monatlich eine Dosis selbst
spritzen oder vierteljährlich die dreifache Dosis in Form von drei
Fertigpens hintereinander.
Ohne gesicherte Diagnose keine modernen Medikamente
Aber dass es heute so viele hochwirksame Möglichkeiten gibt –
sowohl für die Prophylaxe als auch die Akuttherapie –, müssen
Betroffene erst einmal wissen. Und auch, dass sie diese Medikamente
nur dann erhalten können, wenn zuvor durch den Facharzt für
Neurologie die gesicherte Diagnose Migräne gestellt wurde.
Eder: „Die erstmalige Verschreibung dieser Medikamente muss durch
den Facharzt erfolgen, die nachfolgenden Verschreibungen kann der
Hausarzt vornehmen.“
Ist Kopfschmerz gleich Kopfschmerz?
Aber wie weiß man nun, ob man eine Migräne hat und daher zum Arzt
gehen sollte?
Das Leitsymptom einer Migräne sind Kopfschmerzen, und diese
unterscheiden sich in Charakter und Ausprägung von anderen
Kopfschmerzen wie z.B. dem Spannungskopfschmerz. Typisch für Migräne
ist das anfallsartige Auftreten von starken, meist einseitigen,
pochenden, pulsierenden oder stechend-bohrenden Kopfschmerzen.
Migräne-Spezialist Eder: „Typischerweise baut sich der Migräne-
Kopfschmerz innerhalb von Minuten, manchmal aus dem Schlaf heraus,
auf. Intensität und Lokalisation des Schmerzes sind von Person zu
Person unterschiedlich und können von Attacke zu Attacke verschieden
ausgeprägt sein. Bei einigen pocht der Schmerz beispielsweise im
Stirn- oder Schläfenbereich, bei anderen ist es ein stechender
Schmerz hinter den Augen.“
Auch wenn die quälenden Kopfschmerzen meist nur einseitig
auftreten, können sie sich auch über den gesamten Kopf erstrecken,
führt Eder weiter aus. Ein weiteres Charakteristikum: Migräne-
Kopfschmerz verschlimmert sich durch körperliche Aktivität.
Zusätzlich kommen bei Migräne meist noch weitere, belastende
Symptome hinzu. Dazu zählen Übelkeit bis zum Erbrechen, Licht-,
Geruchs- und Lärmempfindlichkeit.
Zwtl.: Die Migräne-Checkliste:
die wichtigsten Migräne-Symptome im Überblick
Folgende Migräne-Checkliste ermöglicht Betroffenen eine erste
Einschätzung, ob bei ihnen eine Migräne vorliegen könnte.
– pulsierende, pochende oder stechend-bohrende Kopfschmerzen
– meist einseitig auftretender Schmerz (aber nicht immer!)
– Schmerz verschlimmert sich schon bei geringer körperlicher
Belastung, z.B. Stiegen steigen
– starke bis sehr starke Schmerzintensität
– Übelkeit bis hin zum Erbrechen
– Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit
– Gibt es Migräne in der Familie? Die Neigung zu Migräne kann vererbt
werden.
Symptome einer Migräne mit Aura
Migräne-Attacken können von vorübergehenden Sehstörungen und
neurologischen Ausfällen angekündigt werden (meist 5 bis 60 Minuten
dauernd vor Auftreten des Kopfschmerzes). Man spricht von einer Aura.
Dabei können visuelle, sensorische und sprachliche Veränderungen
auftreten.
Sehstörungen
– Flimmern
– Gesichtsfeldausfälle (Sehkraft lässt innerhalb eines Teiles des
Gesichtsfeldes nach oder fällt komplett aus)
– farbige, blendende Kreise, Vierecke oder Zickzacklinien (die sich
immer weiter ausbreiten)
– Lichtblitze
Diese Symptome treten unabhängig davon auf, ob die Augen offen
oder zu sind, und vergehen zumeist innerhalb einer Stunde.
Gefühlsstörungen
– Kribbeln oder Taubheitsgefühl beginnt zumeist in den Händen und
kann sich auf Arme und Gesicht ausbreiten
Sprachstörungen
– verwaschene Aussprache
– Wortfindungsstörungen
Sehr selten, aber doch: Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen
Tipp des Neurologen
„Wenn jemand Symptome, die in der Checkliste angeführt sind, bei
sich bemerkt, sollte er keine Zeit verlieren und umgehend am besten
einen auf Migräne spezialisierten Neurologen zur Abklärung auf das
Vorliegen von Migräne aufsuchen.“ Denn dieser wird nicht nur die
Diagnose frühzeitig stellen, sondern ist auch bezüglich der
Behandlung am neuesten Stand der Wissenschaft.
Eder empfiehlt abschließend: „Beginnen Sie gleich auch einen
Kopfschmerzkalender über mindestens vier Wochen zu führen, um
Schmerztyp, Dauer, Auslöser und eingenommene Medikamente zu
dokumentieren. Das hilft dem Arzt bei der Diagnose sehr, und er kann
Ihnen umso schneller die geeignete Therapie zukommen lassen.“
Mit freundlicher Unterstützung der Lundbeck Austria GmbH