ÖGB-Mernyi: „Faire Arbeit darf keine Frage der Muttersprache sein!“

Wien (OTS) – Gesetze sind komplex – selbst für Menschen, die Deutsch
gut
beherrschen. Für Arbeitnehmer:innen mit anderer Erstsprache ist es
noch schwieriger. Ihr fehlendes Wissen in Sachen Arbeitszeiten,
Überstunden oder Urlaubsanspruch wird von manchen Unternehmen gezielt
ausgenutzt. Die Expertinnen und Experten der Muttersprachlichen
Beratung im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) bearbeiten jedes
Jahr hunderte Fälle von teils massiver Ausbeutung.

Unterentlohnung und unzumutbare Arbeitsbedingungen

Betroffen sind vor allem Saisonarbeitskräfte am Bau oder im
Tourismus, Erntehelfer:innen sowie Betreuungskräfte in der Pflege.
„In den meisten Fällen handelt es sich um Unterentlohnung von
Migrant:innen oder um Arbeiter:innen, die unter unzumutbaren
Bedingungen arbeiten“, erklärt ÖGB-Bundesgeschäftsführer Willi
Mernyi: „Viele werden bei der ÖGK falsch angemeldet und haben noch
nie einen Arbeitsvertrag oder Dienstzettel gesehen.“ Auch
Sicherheitsvorschriften würden oft nicht eingehalten – mit teils
schweren Arbeitsunfällen als Folge.

Besonders Nicht-EU-Bürger:innen betroffen

Vor allem Drittstaatsangehörige befinden sich in Österreich
häufig in einer starken Abhängigkeitssituation, da Aufenthaltsstatus
und Arbeitsbewilligung an konkrete Arbeitgeber:innen oder Kontingente
gebunden sind. Vielfach erschweren Sprachbarrieren den Zugang zu
Information und Hilfe, „faire Arbeit darf jedoch keine Frage der
Muttersprache sein!“, stellt Mernyi klar. Der ÖGB bietet daher
arbeits- und sozialrechtliche Beratung in Arabisch, Rumänisch,
Russisch, Ukrainisch sowie – speziell für entsandte
Arbeitnehmer:innen – in Bulgarisch, Bosnisch, Serbisch, Kroatisch,
Englisch und Deutsch an.

Schutz für alle Beschäftigten

Die muttersprachliche Beratung hilft nicht nur Einzelnen, sondern
schützt alle Arbeitnehmer:innen in Österreich. „Die unmittelbar
Geschädigten sind die Betroffenen – aber ihre Ausbeutung geht auf
Kosten aller Beschäftigten“, erklärt Willi Mernyi. Denn Firmen, die
Ansprüche vorenthalten, könnten billiger anbieten und würden damit
Lohn- und Sozialdumping fördern. Mit der muttersprachlichen Beratung
setze der ÖGB dieser Praxis etwas entgegen, betont Mernyi.