Wien (OTS) – Die aktuellen Arbeitsmarktdaten zeigen eine weiterhin
angespannte
Lage, insbesondere für Menschen, die bereits länger ohne Job sind.
Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Personen ist im Vergleich
zum Vorjahr deutlich gestiegen.
„Langzeitarbeitslosigkeit ist kein individuelles Versagen,
sondern Ausdruck struktureller Probleme am Arbeitsmarkt“, sagt ÖGB-
Arbeitsmarktexperte Alexander Prischl. Besonders betroffen sind
ältere Menschen und Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen.
Fast die Hälfte der Arbeitssuchenden über 55 ist bereits
langzeitbeschäftigungslos, ein Drittel kämpft mit gesundheitlichen
Problemen.
„Gerade sie brauchen gezielte Unterstützung, statt weiterhin
übersehen zu werden. Angesichts der aktuellen Zahlen ist es umso
unverständlicher, dass es immer wieder Rufe nach einer Anhebung des
Pensionsantrittsalters gibt. Vorrangiges Ziel muss es sein, älteren
Menschen gute Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, die nicht krank
machen“, betont Prischl.
ÖGB fordert frühzeitige und intensive Unterstützung für
Arbeitssuchende, bevor Langzeitarbeitslosigkeit entsteht:
– Ein von der öffentlichen Hand gefördertes Beschäftigungsmodell für
ältere Arbeitslose, um Langzeitarbeitslosigkeit von vornherein zu
verhindern bzw. die hohe Sockelarbeitslosigkeit rasch abzubauen.
Dabei sollen die Erkenntnisse aus dem Modellprojekt
Arbeitsplatzgarantie Marienthal (MAGMA) des AMS Niederösterreich
berücksichtigt werden.
– Mit der Aktion 55+ sollen für Menschen, die länger als ein Jahr
arbeitslos sind, langfristig Arbeitsplätze geschaffen werden. Die
Entlohnung muss dem jeweiligen Kollektivvertrag und dem Alter sowie
der Erwerbsbiografie der Betroffenen entsprechen und mit Beratungs-
und Begleitangeboten versehen sein.
– Alternativ eine Erneuerung der „Aktion 20.000“, die erfolgreich
Beschäftigungen im öffentlichen Bereich ermöglicht hat.
– Diese Beschäftigungsformen müssen aber auch budgetär ausreichend
dotiert und vor allem auf eine längere Beschäftigungsdauer ausgelegt
sein.
Langzeitarbeitslosigkeit bedeutet nicht nur wirtschaftliche
Unsicherheit, sondern hat massive Auswirkungen auf die psychische und
physische Gesundheit. „Wer über Monate oder Jahre keine Chance auf
eine Anstellung bekommt, verliert nicht nur Einkommen, sondern oft
auch Selbstvertrauen und soziale Stabilität“, warnt Prischl. Viele
Betroffene erleben Stigmatisierung und werden bei Bewerbungen
systematisch benachteiligt.
„Gerade jetzt, in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, muss
die Politik Verantwortung übernehmen und sicherstellen, dass niemand
zurückgelassen wird“, so Prischl. Es brauche Investitionen in
Menschen statt Kürzungen bei arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen.
„Langzeitarbeitslosigkeit darf sich nicht verfestigen – sie ist
vermeidbar, wenn wir jetzt handeln“, schließt der Gewerkschafter.