Physio Austria: Direktzugang zur Physiotherapie für Patient*innen

Wien (OTS) – Dies bedeutet den Zugang zu physiotherapeutischen
Leistungen für
Patient*innen ohne Erfordernis der vorhergehenden, ärztlichen
Konsultation und Anordnung, wenn von den Physiotherapeut*innen eine
entsprechende Weiterbildung absolviert wurde.

Zwtl.: Gebot der Stunde: Mehr Effizienz

„Angesichts der enormen Herausforderungen für das österreichische
Gesundheitssystem sind Initiativen für mehr Effizienz und den
kostenschonenden Einsatz von Ressourcen das Gebot der Stunde: Der
Direktzugang zur Physiotherapie sowie die Anbindung der
Physiotherapie an ELGA sind solche Vorschläge mit wesentlichen
Vorteilen für die Patient*innen und den interdisziplinären
Austausch“, betont Constance Schlegl , Präsidentin von Physio
Austria, „die seit 2024 im Berufsgesetz verankerte Möglichkeit zur
Etablierung fachlicher Spezialisierung bietet eine wunderbare
Möglichkeit zur Umsetzung des Direktzugangs zur Physiotherapie auch
in Österreich.“

Im Rahmen der akuten Krankenbehandlung ist derzeit eine ärztliche
Anordnung zwingende Voraussetzung für die Inanspruchnahme von
Physiotherapie. Dadurch nehmen Ärzt*innen eine Gatekeeper-Funktion
ein und steuern den Zugang zu physiotherapeutischen Leistungen im
Gesundheitssystem. Dies bedeutet, dass der Zugang zur Physiotherapie
maßgeblich und ausschließlich von der ärztlichen Entscheidung
abhängt. Dies hat Einfluss auf den zeitnahen Beginn von
Physiotherapie. Dadurch werden Ressourcen gebunden und Patient*innen
beziehungsweise deren An- und Zugehörige mit zusätzlicher Bürokratie
belastet. Bei entsprechenden Hinweisen auf Symptome, die eine weitere
ärztliche Abklärung erforderlich machen, müssen Physiotherapeut*innen
bereits jetzt in laufende Therapien an den Arzt/die Ärztin zur
Abklärung verweisen.

„Angesichts dieser Fakten sollen berufsrechtliche Möglichkeiten
endlich zum Leben erweckt werden“, unterstreicht Silvia Rosoli ,
Abteilungsleitung der Arbeiterkammer, „mit Spezialisierungen von
zumindest 60 ECTS und Masterstudiengängen müssen jedenfalls
entsprechende Kompetenzerweiterungen zur eigenverantwortlichen
Ausübung dieser Tätigkeiten ohne vorherige ärztliche Anordnung oder
Zuweisung im Fachgebiet einhergehen. Das sichert die Attraktivität
dieser so wichtigen Berufe und ermöglicht entsprechende Karrieren.“

Zwtl.: Vorteile für Patient*innen – Entlastung für das
Gesundheitssystem

Der Direktzugang zur Physiotherapie ist bereits seit Jahrzehnten
in mehreren Ländern wie z.B. in Großbritannien, Schweden oder den
Niederlanden etabliert. Internationale Studien belegen, dass dieser
sowohl für Patient*innen als auch für das Gesundheitssystem
zahlreiche Vorteile bringt: Der Direktzugang verkürzt lange
Wartezeiten, steigert die Patient*innenzufriedenheit und verbessert
die interdisziplinäre Kommunikation zwischen Ärzt*innen und
Gesundheitsberufen bei gleichbleibender Patient*innensicherheit.
Darüber hinaus führt der Direktzugang zu weniger Krankschreibungen,
Fehltagen und kann ein starker Impuls für mehr Prävention sein, was
zu geringeren Gesundheitskosten beiträgt.

Zwtl.: Konstruktiver Dialog

Die optimale Versorgung der Patient*innen in Österreich muss
gesichert sein. „Unser Ziel als Bundesverband Selbsthilfe Österreich
(BVSHOE) ist es, im Sinne der Patient*innen Lösungen zu finden. Daher
wiederholen wir unseren Aufruf zu einem „Runden Tisch“, an dem
gemeinsam Lösungen erarbeitet werden“, sagt Angelika Widhalm ,
Präsidentin des Bundesverbandes Selbsthilfe Österreich, „wir halten
es für dringend nötig, dass sich die entscheidenden Akteure im
Gesundheitswesen an einen Tisch setzen, um konstruktive Vorschläge
insbesondere die Anbindung aller Gesundheitsberufe an ELGA, die wir
schon lange fordern, und auch z.B. jene hier von Physio Austria
vorgebrachten, auf Augenhöhe, mit gegenseitigem Respekt sowie
Verantwortungsbewusstsein und faktenbasiert zu diskutieren. Dabei
geht es uns auch um die Bereitschaft, die Patient*innen in den
Mittelpunkt zu stellen, damit deren optimale Versorgung in Österreich
zukünftig gesichert ist.“

Die Schauspielerin und Kabarettistin Andrea Händler bestärkt die
Forderung von Physio Austria: „Mit meinen Erfahrungen und dem
Vertrauen in die Physiotherapie würde ich mir für uns alle wünschen,
ohne zusätzliche Hürden zur Physiotherapie gehen zu können und als
mündiger Mensch selbst zu entscheiden, wann ich diese in Anspruch
nehmen möchte. Mit der Anbindung der Physiotherapie an den
elektronischen Datenaustausch (ELGA) würde auch das Plastiksackerl
mit den nötigen Informationen auf dem Weg zur Therapie wegfallen. Ich
wusste offen gesagt bis zu dieser Pressekonferenz nicht, dass die
Anbindung an ELGA für die drittgrößte Berufsgruppe im
Gesundheitswesen – die Physiotherapie – bisher nicht gegeben ist.“

Fakt ist: Mehrere Studien zeigen, dass der Direktzugang die
Anzahl der Hausarztkonsultationen, insbesondere bei
muskuloskelettalen Beschwerden, deutlich reduziert und damit
maßgeblich zur Entlastung von Ärzt*innen beiträgt. Fakt ist auch: Der
Direktzugang führt zu einer Reduktion des Einsatzes bildgebender
Verfahren und des Einsatzes von Medikamenten und bewirkt somit eine
Reduktion von Kosten im System.