Rechenzentren: Wien als digitaler Knotenpunkt mit Potenzial

Wien (OTS) – „Rechenzentren sind das Rückgrat der digitalen
Infrastruktur und
damit auch unserer modernen Gesellschaft“, betont Martin Heimhilcher,
Obmann der Sparte Information und Consulting der WK Wien. Über
Rechenzentren laufen zentrale Dienste wie Webhosting, Cloud-Services
oder Remote Work, neben Unternehmen greifen auch Privatpersonen auf
diese Daten-Knotenpunkte zurück – etwa beim Streamen von Filmen und
Serien, beim Online-Gaming, Online-Banking oder der Nutzung von
Sprachassistenten wie Siri und Alexa.

Energiebedarf und Künstliche Intelligenz
Eine wachsende Herausforderung für Rechenzentren stellt die
Energieversorgung dar. Ein KI-zentriertes Rechenzentrum hat in etwa
denselben Stromverbrauch wie 100.000 Haushalte, wobei der größte
Energiebedarf – in etwa die Hälfte – auf die Kühlung der Prozessoren
entfällt. Künstliche Intelligenz, die zwar bis zum 100-fachen an
Energie im Vergleich zu herkömmlichen Datenanfragen benötigt, kann
gleichzeitig aber auch zur Optimierung von Energiesystemen beitragen
– etwa durch präzisere Wetterprognosen für erneuerbare Energien,
effizientere Steuerung von Stromnetzen oder die Optimierung
industrieller Prozesse.

Seit 15. Mai 2024 sind Rechenzentren mit einer IT-Leistung ab 500
kW verpflichtet, jährlich ihre Effizienzkennzahlen inklusive
Abwärmenutzung zu veröffentlichen. „In Island wird ein Großteil der
Wärme aus Rechenzentren gewonnen – auch in Wien steckt hier
Potenzial“, sagt Rüdiger Linhart, IT-Sprecher der WK Wien. Die
meisten Wiener Rechenzentren – und das macht sie besonders – setzen
auf 100 Prozent Ökostrom – gespeist aus Wasserkraft, Wind und Sonne.

Wiener Becken statt Silicon Valley
Derzeit gibt es in Wien rund 21 Rechenzentren – Tendenz steigend.
„Durch die Zentralisierung lassen sich nicht nur Energiekosten
senken, sondern auch Sicherheitsvorteile erzielen“, unterstreicht
Heimhilcher. Gerade im Kontext von Cyberkriegsführung sei es
essenziell, Systeme autark zu halten. Bei blockierten
Kabelverbindungen müsse man unabhängig agieren können.

Dass fast die Hälfte des Energieverbrauchs auf die Kühlung
entfällt, ist ein wichtiger Grund für strategische Planung und
gezielte Standortauswahl. Wien bietet generell zahlreiche
Standortvorteile: eine hohe Versorgungssicherheit mit grüner Energie,
politische Stabilität und eine erdbebensichere Lage. Hinzu kommen
internationale Anbindung und qualifizierte Fachkräfte – alles ideale
Voraussetzungen für weitere Rechenzentrumsprojekte.

„Wien ist ein Hotspot zwischen Ost und West. Und als
Wirtschaftsstandort ermöglicht Wien heimischen Unternehmen und Start-
ups, bei neuesten technologischen Entwicklungen mitzugehen und somit
vom aktuellen KI-Boom zu profitieren“, erklärt Linhart. Lokale
Kapazitäten bedeuten nicht nur kürzere Latenzzeiten, sondern auch
klare Standortvorteile für Unternehmen und Fachkräfte.

Zudem erlaubt die Nähe zu Forschungseinrichtungen und
Universitäten eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und
Wirtschaft – ein entscheidender Faktor für Innovation und
Technologietransfer. Auch Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene
unterstützen Investitionen in digitale Infrastruktur.

„Wien hat das Potenzial, ein Technologie-Hub zu werden –
vergleichbar mit München oder Berlin. Jetzt gilt es, dranzubleiben“,
sagt Heimhilcher abschließend.