Wien (OTS) – Chronisch-rheumatologische Erkrankungen sind in
Österreich sehr
häufig. Bis zu ein Viertel der Bevölkerung ist betroffen – mit einer
hohen Krankheitslast und erheblichen wirtschaftlichen wie sozialen
Auswirkungen. Dies wird sich in den nächsten Jahren weiter zuspitzen.
„Aufgrund des Mangels an rheumatologisch tätigen Kassenärzt:Innen
besteht schon jetzt in vielen Regionen eine gravierende
Unterversorgung rheumatologischer Patient:innen. Es benötigt dringend
eine einheitliche und leistungsgerechte Honorierung durch die
österreichischen Kassen, um mehr Rheumatolog:innen für den
niedergelassenen Bereich zu gewinnen. Sonst werden Wartezeiten weiter
steigen und Patient:innen noch länger auf notwendige Behandlungen
warten müssen. Wir brauchen eine österreichweit einheitliche
Berücksichtigung der aufwändigen Kontrollen, von Beratung und
Aufklärung bei immunsuppressiven Therapien, ebenso für spezifische
Leistungen – etwa Ultraschalluntersuchungen“, erklärte Ass.-Prof.in
PDin Dr.in Christina Duftner, PhD, Präsidentin der Österreichischen
Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation (ÖGR) am Donnerstag.
„Ein gutes Einvernehmen zwischen Sozialversicherung und Ärzt:innen
steht für uns im Zentrum. Wir sind jederzeit gerne bereit, unsere
Expertise einzubringen, um gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten.“
Duftner forderte ferner die Etablierung einer Rheuma-Fachassistenz.
Der 2. Österreichische Rheumatologie-Report ist unter diesem Link
abrufbar. *****
Zwtl.: Nur 32 Kassen-Rheumatolog:innen österreichweit
Immer noch gibt es Regionen ohne jegliche fachspezifische
rheumatologische Versorgung. Viele Patient:innen müssen daher in
Spitalsambulanzen betreut werden. Die meisten niedergelassenen
Rheumatolog:innen sind als Wahlärzt:innen tätig. In ganz Österreich
gibt es derzeit nur 32 Rheumatolog:innen, die mit allen Kassen einen
Vertrag haben. Erschwerend hinzu kommt die Altersverteilung: 45
Prozent aller Rheumatolog:innen sind über 55 Jahre alt.
Zwtl.: Umfrage unter Rheumatolog:innen zeigt lange Wartezeit und zu
wenig Zeit für Patient:innen
Eine Umfrage unter 134 internistischen Rheumatolog:innen und 11
Fachärzt:innen in Ausbildung unterstreicht: Während Wartezeiten auf
Termine in Spitalsambulanzen und im niedergelassenen Kassenbereich
mitunter zwischen Wochen und Monaten liegen, geben 48 Prozent der
befragten Wahlärzt:innen Wartezeiten von nur 1 bis 2 Wochen an.
Die befragten Kassenärzt:innen beklagten, am wenigsten Zeit pro
Patient:in zur Verfügung zu haben. „Der fachärztliche Austausch, die
komplexe Diagnostik und die Entwicklung eines spezifischen
Behandlungskonzepts muss entsprechend abgebildet werden. Wir brauchen
Zeit für unsere Patient:innen“, so Duftner.
Zwtl.: Rheuma-Fachassistenz für Beratung und Führung von
Patient:innen
Die ÖGR fordert seit Jahren die Etablierung der Rheuma-
Fachassistenz zur fachspezifischen Entlastung von Fachärzt:innen in
der Patient:innenversorgung, wie sie in anderen Ländern Europas, etwa
den Niederlanden, bereits sehr erfolgreich etabliert wurde. Ziel ist
die Verankerung einer spezifischen rheumatologischen Ausbildung für
Gesundheitsberufe, insbesondere im Bereich der Pflege. Rheuma-
Fachassistent:innen könnten einen wesentlichen Beitrag in der
Beratung und Betreuung von Rheuma-Patient:innen leisten. Duftner
abschließend: „Wir brauchen entsprechende Berufsprofile und
verbindliche Curricula, um die Fachassistenz entsprechend
aufzuwerten.“
