Senat der Wirtschaft erklärt das Verbrenner-Aus für gescheitert!

Wien (OTS) – Die EU-Kommission hat eine Abkehr vom bislang
vorgesehenen totalen
Verbrenner-Aus vorgeschlagen und damit wieder einen zentralen
Kurswechsel in der europäischen Verkehrspolitik eingeleitet. Künftig
sollen Autohersteller auch nach 2035 weiterhin Verbrenner- und
Hybridfahrzeuge anbieten dürfen. Statt einer Reduktion der CO₂-
Flottengrenzwerte auf null sieht der Vorschlag nun eine Senkung um 90
Prozent gegenüber 2021 vor. Der Senat der Wirtschaft, von Anfang die
Verbrenner-Aus-Richtlinie ablehnend, begrüßt diesen Schritt
ausdrücklich und wertet ihn als überfällige Korrektur einer
realitätsfernen Regulierung.

Zwtl.: Tailpipe-Irrtum erkannt

„Das Ziel der Klimaneutralität steht außer Frage! Das Verbrenner-
Aus war jedoch der falsche Weg“, erklärt Hans Harrer ,
Vorstandsvorsitzender des Senat der Wirtschaft. „Die EU hat versucht,
komplexe systemische Herausforderungen mit planwirtschaftlichen
Technologieverboten zu lösen. Dass die Kommission nun zurückrudert,
zeigt: Physik, Märkte und industrielle Realitäten lassen sich nicht
per Gesetz außer Kraft setzen“, betont Harrer .

Kritik übte die parteipolitisch unabhängige
Wirtschaftsorganisation, Senat der Wirtschaft, insbesondere am
sogenannten Tail-Pipe-Ansatz der bisherigen Regulierung, der
ausschließlich die Emissionen vom Fahrzeug misst. Elektro- und
Brennstoffzellenfahrzeuge werden dabei pauschal als Null-Emissions-
Fahrzeuge gewertet – unabhängig davon, wie Strom oder Wasserstoff
erzeugt werden. Gleichzeitig gelten Fahrzeuge, die mit erneuerbaren
Kraftstoffen, e-Fuels oder Biomethan betrieben werden, regulatorisch
als fossil, selbst wenn sie nachweislich klimaneutral sind. „Diese
Zählweise hat mit wirksamem Klimaschutz nichts zu tun. Sie fördert
rechnerische Effekte statt realer CO₂-Reduktion und schließt ganze
Innovationspfade bewusst aus“, so Harrer weiter .

Zwtl.: Ideologie bremst Innovation

Der Senat der Wirtschaft weist darauf hin, dass die einseitige
Fokussierung auf Elektromobilität zu erheblichen systemischen Risiken
– Stichwort Ausverkauf an China – geführt hat. Fehlende großskalige
Stromspeicher, zunehmende Netzinstabilitäten und der hohe
Energieaufwand bei der Herstellung insbesondere von Batterien
relativieren den häufig angeführten Effizienzvorteil deutlich.
Gleichzeitig wird durch die regulatorische Ausgrenzung erneuerbarer
Kraftstoffe deren Markthochlauf gebremst – mit negativen Folgen weit
über den Verkehrssektor hinaus.

Zwtl.: E-Fuels als Klimaretter

Harrer betont: „ Erneuerbare Kraftstoffe sind ein entscheidender
Baustein der Energiewende, weil sie erneuerbare Energie speicherbar,
transportierbar und global nutzbar machen und genau diese
Speicherfunktion wird in der politischen Debatte bis heute massiv
unterschätzt. “

Welche wirtschaftlichen Folgen die bisherige Politik haben kann,
zeigt aus Sicht des Senat das Beispiel des österreichischen
Technologieunternehmens Cryoshelter. Das Unternehmen entwickelte mit
Unterstützung von EU-Fördermitteln eine international führende
Technologie zur Kryospeicherung von Methan für den Schwerverkehr.
Aufgrund der regulatorischen Nichtanerkennung erneuerbarer
Kraftstoffe brachen europäische Aufträge weg, Arbeitsplätze gingen
verloren und Produktionskapazitäten werden nun außerhalb Europas
aufgebaut. „Europa fördert Innovation und reguliert sie anschließend
aus dem Markt. Das schwächt den Standort und konterkariert die
eigenen industriepolitischen Ziele ! “, sagt Harrer.

Zwtl.: Lebenszyklus statt Dogma

Der Senat der Wirtschaft sieht in der nun vorgeschlagenen Abkehr
vom vollständigen Verbrenner-Aus einen ersten, aber unvollständigen
Schritt. „Eine Reduktion um 90 Prozent statt 100 Prozent ist ein
Eingeständnis, dass technologische Vielfalt notwendig ist. Der
entscheidende nächste Schritt muss jedoch die Abkehr vom Tail-Pipe-
Dogma sein“ , erklärt Harrer .

Der Senat fordert daher eine grundlegende Neuausrichtung der
Regulierung hin zu Well-to-Wheel- und Lebenszyklusmodellen, die die
tatsächlichen Netto-CO₂-Emissionen über die gesamte
Wertschöpfungskette erfassen. „Politik muss klare Klimaziele
definieren, aber die Wahl der Technologien dem Wettbewerb überlassen.
Nur mit Technologieoffenheit und Lebenszyklusbetrachtung wird die
Mobilitätswende ökologisch wirksam, wirtschaftlich tragfähig und
sozial umsetzbar“, so Harrer zum Abschluss.