Sommergespräche im ORF: Bitte nicht auf die Baustellen im Gesundheitssystem vergessen!

Wien (OTS) – Am heutigen Montag starten die ORF-Sommergespräche mit
den Spitzen
der politischen Parteien. Edgar Wutscher und Harald Mayer, die
Kurienobmänner der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) erhoffen sich
in diesem Jahr deutlich mehr Aufmerksamkeit für die Herausforderungen
im Gesundheitssystem als im vergangenen Jahr: „2024 haben die
Politiker in den Interviews zumeist einen großen Bogen um die
Gesundheitsversorgung gemacht. Das darf angesichts der vielen offenen
Baustellen, die es aktuell gibt, heuer nicht mehr passieren“, fordert
Wutscher, Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte (BKNÄ).
Harald Mayer, Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte, wünscht sich
von der Politik „endlich innovative Ideen, wie unsere
Gesundheitsversorgung auch in Zukunft auf einem hohen Niveau
abgesichert werden soll. Das Thema Gesundheit darf nicht wieder
totgeschwiegen werden.“

Wutscher skizziert die brennendsten Themen im niedergelassenen
Bereich: „Wir müssen dringend den Kassenvertrag wieder so attraktiv
machen, damit wir zumindest die über 300 offenen Kassenstellen in
Österreich nachbesetzen und weitere ausbauen können, um die
Versorgung unserer Patientinnen und Patienten zu gewährleisten. Dabei
sollte man natürlich auch die anstehende Pensionierungswelle – wie
kürzlich präsentiert – im Hinterkopf behalten. Außerdem muss das
Finanzchaos in der ÖGK aufgeräumt werden, damit ein neuer,
einheitlicher Leistungskatalog im niedergelassenen Bereich etabliert
werden kann. Die Bundeskurie niedergelassene Ärzte hat bereits vor
vier Jahren nach Abwicklung eines Megaprojekts einen konkret
ausgearbeiteten Vorschlag unterbreitet. Seither ist leider nicht viel
passiert. Wir sind jederzeit dazu bereit, das gemeinsam mit der ÖGK
so rasch wie möglich umzusetzen. Ein drittes ganz wichtiges Anliegen
ist uns der Erhalt und Ausbau von Hausapotheken für eine
unkomplizierte, wohnortnahe Versorgung unserer Patientinnen und
Patienten.“

Im Spitalsbereich forcieren Harald Mayer und die Bundeskurie
angestellte Ärzte (BKAÄ) seit Jahren die Einführung einer
verbindlichen, funktionierenden Patientenlenkung: „Die Lenkung der
Patientenströme in unserem Land ist eines der brennendsten Probleme
und darf nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden. Ohne
verbindlich verankerte Lenkung der Patientenströme wird unser
Gesundheitssystem nicht mehr lange so gut funktionieren wie bisher.
Die überfüllten Spitalsambulanzen müssen dringend entlastet werden.“
Ein weiterer Fokus der BKAÄ liegt auf der ärztlichen Ausbildung:
„Österreich bildet eigentlich genügend Ärztinnen und Ärzte aus – und
unsere Unis tun dies mit sehr hoher Qualität. Aber wir müssen endlich
Rahmenbedingungen schaffen, die attraktiv genug sind, und den jungen
Leuten sofort Ausbildungsstellen anbieten, um sie in unserem Land und
im solidarischen Gesundheitssystem zu halten – sonst werden wir den
jährlichen Bedarf von 1.400 Ärzten weiterhin nicht decken können. Das
sollte aber eigentlich kein Problem sein bei jährlich 2.200
Absolventinnen und Absolventen. Wir müssen uns gemeinsam gegen den
Ärztemangel stemmen!“

Beiden Kurien gemein ist zudem der Wunsch nach modernen,
gerechten und verbesserten Arbeitsbedingungen sowie einem eklatanten
Bürokratieabbau. „Man sieht also ganz deutlich: Es gibt in der
Gesundheitspolitik genug zu tun. Es wäre schön, wenn sich das in den
ORF-Sommergesprächen widerspiegeln könnte“, so Wutscher und Mayer.
„Die Österreichische Ärztekammer steht jedenfalls bereit, konstruktiv
die genannten Herausforderungen anzugehen.“