Volkshochschulen fordern die Stärkung der gemeinnützigen Erwachsenenbildung

Wien (OTS) – „Bildung soll vor allem sozialen Zusammenhalt und
gesellschaftliche
Teilhabe stärken und darf kein Feld für Profite sein. Österreich
verfügt über ein Erwachsenenbildungsförderungsgesetz mit klar
definierten Förderkriterien, welche insbesondere den Aspekt der
Gemeinnützigkeit betreffen. Diese rechtliche Grundlage muss
konsequent auf alle Bereiche der Erwachsenenbildung angewendet
werden“, erklärt John Evers, VÖV-Generalsekretär und derzeitiger
Vorsitzender der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreich. Es sei
gleichzeitig erfreulich, dass mehrere AK-Vollversammlungen sowie der
Bundesausschuss der GPA gerade eine Resolution in genau diese
Richtung beschlossen hat.

Österreich verfügt über ein dichtes Netz gemeinnütziger
Erwachsenenbildungseinrichtungen mit insgesamt 10.000 Kursorten,
50.000 Unterrichtenden und 2,5 Millionen Teilnahmen pro Jahr. Dadurch
erreichte Österreich in der Vergangenheit Spitzenwerte im Bereich der
Weiterbildungsteilnahmen. In den letzten Jahren hat die Weiterbildung
jedoch an Boden verloren: Aktuell wird das nationale Ziel von 60
Prozent Weiterbildungsbeteiligung nicht erreicht. Gleichzeitig hat
sich die Position Österreichs, insbesondere im Bereich der
Grundkompetenzen, dramatisch verschlechtert: Bis zu 1,7 Millionen
Erwachsene haben Probleme beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Der
Hintergrund dafür liegt auch in der chronischen Unterdotierung der
gemeinnützigen Bildungsanbieter, die vor allem auf regionale
Förderungen angewiesen sind.

„Die gesamtstaatlichen Ausgaben für Bildung sind in den letzten
15 Jahren zwar um mehr als 75 Prozent angestiegen, aber für die
meisten Bereiche der gemeinnützigen Erwachsenenbildung gilt das
nicht. Im Gegenteil: Während der Bund 2026 – konkret das für
Erwachsenenbildung zuständige BMFWF – seine Förderzusagen einhält,
geraten wir in mehreren Regionen durch fehlende Valorisierungen und
Kürzungen immer mehr unter Druck. Das ist vor allem auch deshalb ein
Problem, weil bei gemeinnützigen Trägern wie den Volkshochschulen die
Ausrichtung auf die Bedürfnisse und Lebenswelt der Teilnehmenden
stark ausgeprägt ist und somit Personen für Bildungsangebote erreicht
werden können, die wahrscheinlich sonst keine Bildungseinrichtung
betreten würden“, unterstreicht VÖV-Vorsitzender Gerwin Müller.

Zwtl.: VHS macht Zukunft: Bereit für den Wandel – der Schwerpunkt für
2026 und 2027

In ihrem neuen Zwei-Jahresschwerpunkt thematisieren die
österreichischen Volkshochschulen die Herausforderungen des
vielfältigen Wandels unserer Gesellschaft. Ob es um Gesundheit oder
Kreativität im Alltag oder im Beruf, um Integration, den Nutzen der
Digitalisierung für alle Bevölkerungsgruppen oder unseren Umgang mit
der Klimakrise geht: Die Volkshochschulen haben die richtigen
Kursangebote dafür. Ganz ohne Zugangsvoraussetzungen verzeichnen sie
so rund 700.000 Kursteilnahmen pro Jahr. In allen Bereichen verbinden
die VHS-Kurse wissenschaftliche Grundlagen mit lebenspraktischen
Fragen und sind vor allem Orte der Begegnung und des sozialen
Lernens. So stärken sie den Zusammenhalt und damit unsere
Gesellschaft. Genau diese Leistungen im Zusammenhang mit dem
gemeinsamen, sozialen, digitalen und ökologischen Wandel werden die
Volkshochschulen in den kommenden zwei Jahren ins Rampenlicht
stellen. Geplant ist unter anderem eine VHS-Ausstellung, die in allen
neun Bundesländern gezeigt und durch entsprechende Aktionen und
Veranstaltungen begleitet werden soll.

Zwtl.: Arbeit im ORF-Publikumsrat erfolgreich

Zu begrüßen sind auch die Empfehlungen des ORF-Publikumsrats zur
Stärkung demokratiepolitischer Berichterstattung, beschlossen in der
Sitzung vom 20.11.2025. Hier kamen auch konkrete Vorschläge aus der
Erwachsenenbildung. „Es freut mich, dass der Publikumsrat explizit
die Einbeziehung der Erwachsenenbildung in demokratiepolitisch
relevante Formate vorschlägt. Ebenso wichtig ist die Betonung
einfacher Sprache, das Thema Grundkompetenzen sowie die Einbeziehung
der Expertise von Personen, die in diesem Bereich Probleme haben. Und
die Empfehlung, konkrete Ansätze und Beispiele von Bürgerinnen- und
Bürgerbeteiligung im ORF zu thematisieren, bedeutet einen sehr
wichtigen Beitrag zur Stärkung der Demokratiebildung unter
Erwachsenen“ , so VÖV-Generalsekretär Evers, der den Bereich Bildung
im ORF-Publikumsrat repräsentiert.