Wien (OTS) – Anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tags am 21. März
erinnert dabei-
austria – Dachverband berufliche Inklusion Austria – daran, dass
berufliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen keine
Selbstverständlichkeit ist. Gerade für Menschen mit Trisomie 21 ist
der Einstieg in Beschäftigung besonders herausfordernd, umso
wichtiger sind stabile Unterstützungsangebote. Trotzdem drohen
massive Kürzungen bei jenen Programmen, die berufliche Inklusion
überhaupt erst ermöglichen.
Die aktuellen Arbeitsmarktdaten zeigen jedoch eine alarmierende
Entwicklung: Im Februar 2026 waren 17.199 Menschen mit Behinderungen
arbeitslos gemeldet. Das ist ein Anstieg von 14,6 Prozent gegenüber
dem Vorjahr und damit fünfmal so stark wie die
Gesamtarbeitslosigkeit. Der Bedarf ist steigend, während die
Finanzierung in Frage gestellt ist.
„Man hat es kommen sehen und hat die Zeit versäumt. Jetzt
befindet man sich in einer Zeit, wo man ausschließlich in Richtung
Einsparungen, Kürzungen arbeitet, ohne diesem Kapitel die geeignete
Priorität zu geben“, sagt Eva Skergeth-Lopič, Vorstandsvorsitzende
von dabei-austria im aktuellen dabei-austria-Podcast „Teilhabe unter
Druck“.
Zwtl.: Bewährte Programme zeigen Wirkung – und stehen dennoch vor
Kürzungen
Das Netzwerk Berufliche Assistenz (NEBA) und ergänzende Maßnahmen
für berufliche Perspektiven leisten einen zentralen Beitrag zur
beruflichen Inklusion. Die Wirkung ist messbar:
– 53 Prozent der abgeschlossenen Begleitungen (Zeitraum Jänner bis
August 2025) durch die Arbeitsassistenz führten zu einer
Beschäftigungsaufnahme
– 86 Prozent davon direkt am ersten Arbeitsmarkt
– Bei der Sicherung bestehender Beschäftigung lag die Erfolgsquote
bei 85 Prozent
Hinter diesen Zahlen stehen rund 2.800 Fachkräfte österreichweit,
die jährlich 110.000 Menschen mit Behinderungen und
ausgrenzungsgefährdete Jugendliche begleiten.
Finanziert werden diese Programme über den Ausgleichstaxfonds (
ATF). Laut aktuellem Budgetfahrplan sollen die Bundeszuschüsse jedoch
von 65 Millionen Euro im Jahr 2026 auf nur noch 15 Millionen Euro im
Jahr 2029 sinken – bei gleichzeitig steigendem Bedarf und wachsenden
Personalkosten durch Kollektivvertragserhöhungen.
„Kürzungen bei bewährten Inklusionsprogrammen sind nicht nur
sozialpolitisch falsch. Sie sind auch volkswirtschaftlich
kurzsichtig“, sagt dabei-austria-Geschäftsführerin Christina
Schneyder im Podcast „Teilhabe unter Druck“. „Wer heute bei der
beruflichen Inklusion spart, zahlt morgen mehr für Arbeitslosigkeit,
Sozialhilfe und den Verlust von Fachkräften.“
Zwtl.: Drei Forderungen an die Bundesregierung
dabei-austria fordert die Bundesregierung und alle beteiligten
Ministerien zu konkreten Schritten auf:
1. ATF sofort stabilisieren: Die degressive Gestaltung der
Bundeszuschüsse muss überprüft und korrigiert werden.
Teilnehmer:innen brauchen verlässliche Unterstützungsstrukturen.
2. ATF-Evaluierung jetzt starten: Das im Regierungsprogramm
verankerte Vorhaben muss unverzüglich umgesetzt werden – unter
Einbindung von dabei-austria und den betroffenen Organisationen.
3. Finanzierungslogik reformieren: Gemeinsam mit allen Stakeholdern
muss ein nachhaltiges Einnahmenmodell entwickelt und politisch
beschlossen werden.
Mit der Ratifikation der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich
Österreich verpflichtet, Menschen mit Behinderungen gleichberechtigte
Teilhabe am Berufsleben zu ermöglichen. Ein Bekenntnis zu sozialer
Teilhabe, das nicht mit den nötigen Mitteln hinterlegt wird, bleibt
eine leere Hülle.
„Es reicht nicht, sich zu sozialer Teilhabe zu bekennen und
gleichzeitig die Mittel dafür zu kürzen. Die Bundesregierung muss
jetzt handeln, bevor Strukturen zerstört werden, die sich über Jahre
bewährt haben und nicht so schnell wiederaufgebaut werden können“,
sagt Christina Schneyder abschließend.
