Welt-Herztag: Von Prävention bis zu komplexen Herz-Operationen

Wien (OTS) – Im Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV) wurden 2024
insgesamt 17.500
Personen mit einer Herzerkrankung als Hauptdiagnose (=Grund des
Spitalsaufenthalts) stationär behandelt, davon waren 41 % Frauen.
Häufigste Diagnose sind chronische koronare Herzerkrankungen. Bei
dieser Erkrankung kommt es als Folge einer Atherosklerose zu
Kalkablagerungen, die die Herzgefäße verengen oder sogar komplett
blockieren. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung bekommt das Herz
nicht mehr genug Sauerstoff. Herzinfarkt, Herzschwäche oder
Herzrhythmusstörungen können die Folge sein. Die Kliniken des Wiener
Gesundheitsverbundes bieten Patient*innen eine Abschätzung des
individuellen Risikos für Herzerkrankungen und eine darauf gezielt
abgestimmte Therapie nach aktuellsten Leitlinien und
Forschungsergebnissen. Operative Eingriffe erfolgen möglichst
schonend, oft minimalinvasiv. Wichtig ist dabei stets die
interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Wiener
Gesundheitsverbundes, auch zur optimalen Herzinfarkt-Versorgung: Fünf
WIGEV-Kliniken, darunter auch das Universitätsklinikum AKH Wien,
sorgen gemeinsam mit dem Hanusch-Krankenhaus dafür, dass an 365 Tagen
im Jahr rund um die Uhr eine optimale Herzinfarkt-Versorgung
inklusive operativer Eingriffe gewährleistet werden kann. Dadurch
überleben in Wien 94 von 100 Patient*innen ihren Herzinfarkt.

Zwtl.: Risiko Herzinfarkt? Prävention im Fokus in neuer Ambulanz

1700 Menschen wurden im Jahr 2024 nach einem Herzinfarkt (akuter
Myokardinfarkt) in einer WIGEV-Klinik behandelt. Welches Risiko haben
Menschen, einen Herzinfarkt zu bekommen? Zu den Risikofaktoren zählen
neben Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Rauchen und
Fettstoffwechselstörungen auch körperliche Inaktivität, Übergewicht
oder Adipositas, Erkrankungen des Immunsystems, psychosozialer
Stress, fehlende Sozialkontakte oder psychiatrische Erkrankungen.
Eine besondere Rolle für das Risiko eines Herzinfarkts spielt das
Lipoprotein a, ein im Labor messbarer, angeborener Risikofaktor. „Bei
unseren Patient*innen messen wir den Lipoprotein a-Wert seit diesem
Jahr standardmäßig. Nach dieser detaillierten Risikobetrachtung
erfolgt die differenzierte Empfehlung von Therapien“, berichtet
Alexander Niessner, Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung mit
Kardiologie und internistischer Intensivmedizin in der Klinik
Landstraße, über die Wichtigkeit der Verhinderung des Fortschreitens
von Gefäßwandveränderungen (Atherosklerose) nach neuesten
europäischen Empfehlungen. Patient*innen, die bereits einen
Herzinfarkt hatten, werden in einer neuen Höchstrisiko-Ambulanz in
der Klinik Landstraße betreut.

Zwtl.: Frühzeitige Prävention nach Schwangerschaftskomplikationen
wichtig

Frauen mit Bluthochdruck, Gestationsdiabetes oder anderen
sogenannten adversen Schwangerschaftsverläufen tragen ein deutlich
erhöhtes Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen – mitunter
erst Jahrzehnte nach der Geburt. Mit den neuen Europäischen
Leitlinien zur Frauengesundheit, die unter Mitarbeit von Bernhard
Haring, Vorstand der Kardiologie in der Klinik Hietzing erarbeitet
wurden, rückt die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen bei Frauen
nach Schwangerschaftskomplikationen europaweit in den Vordergrund.
Die Leitlinien empfehlen eine strukturierte Nachbetreuung und
gezielte Vorsorgemaßnahmen. „Viele Frauen stellen nach der Geburt die
Bedürfnisse ihres Kindes in den Vordergrund – die eigene Gesundheit
wird dabei oft vernachlässigt. Umso wichtiger ist es, auch auf das
eigene Herz zu hören – im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt Haring,
der seit 1. August neuer Vorstand der Kardiologischen Abteilung der
Klinik Hietzing ist. Er bringt diese internationale Expertise nun im
Wiener Gesundheitsverbund ein und setzt mit seinem Team wichtige
Impulse in der kardiovaskulären Frauengesundheit.

Zwtl.: MitraClip-Therapie bei Herzschwäche

Die Klinik Favoriten hat sich auf moderne Verfahren zur
Behandlung von Herzschwäche spezialisiert. Ein wichtiger Schwerpunkt
ist die MitraClip-Therapie. Über einen dünnen Katheter, der meist
über die Leiste eingeführt wird, setzen Kardiolog*innen eine kleine
„Klammer“ an der Mitralklappe. So wird verhindert, dass Blut
zurückfließt, und das Herz wird spürbar entlastet – ganz ohne eine
große Operation am offenen Herzen. Darüber hinaus führt die Klinik
Favoriten bei Bedarf eine Herzbiopsie durch, bei der winzige
Gewebeproben aus dem Herzmuskel entnommen und im Speziallabor
untersucht werden. Auf diese Weise kann man die genaue Ursache der
Herzschwäche feststellen und eine individuell abgestimmte Therapie
anwenden. Diana Bonderman, Leitung der Kardiologie in der Klinik
Favoriten: „Auch die seltenen Ursachen der Herzinsuffizienz können
mit der Biopsie umfassen diagnostiziert und fortgeschrittene
Herzschwächen nach den neuesten Standards behandelt werden. Die
Patient*innen profitieren von einer besonders sicheren Durchführung,
modernster Technik und einem ganzheitlichen Behandlungskonzept, das
ihre Lebensqualität nachhaltig verbessert.“

Zwtl.: Hochkomplexe Eingriffe bei koronaren Herzerkrankungen und
Herzschwäche

„In der Klinik Ottakring sind wir auf die Durchführung von
hochkomplexen Interventionen an den Herzkranzgefäßen spezialisiert.
Dabei werden die chronischen Herzkranzgefäßverschlüsse mit modernen
Kathetertechniken wieder eröffnet. In den letzten 2 Jahren haben wir
rund 120 solch komplexer Eingriffe durchgeführt“, erklärt Alexander
Geppert, Vorstand der 3. Medizinischen Abteilung mit Kardiologie an
der Klinik Ottakring. Leiden Patient*innen zusätzlich an einer
eingeschränkten Herzpumpfunktion, ist es oft notwendig, das Herz
während des Eingriffs durch Herzkreislaufunterstützungssysteme
kurzfristig zu entlasten. Dabei übernehmen diese
Unterstützungssysteme teilweise oder vorübergehend die Pumpfunktion
des Herzens oder stützen den Kreislauf, damit das Herz nicht
überlastet wird. „In der Klinik Ottakring haben wir uns auf diese
Methode spezialisiert und können so Patient*innen mit eingeschränkter
Herzfunktion helfen, bei denen der Eingriff sonst zu risikoreich
wäre. 37 Patient*innen mit eingeschränkter Herzpumpfunktion konnten
wir in den letzten 2 Jahren so erfolgreich operieren“, freut sich
Geppert.

Zwtl.: Maßgeschneiderte Aortenbogenprothese erstmals erfolgreich
implantiert

Ein spektakulärer medizinischer Durchbruch gelang dem Team der
Herz- und Gefäßchirurgie an der Klinik Floridsdorf: Erstmals weltweit
wurde einer Patientin mit einem lebensbedrohlichen Aneurysma im
Aortenbogen – also einer Aussackung in einem bestimmten Teil der
Hauptschlagader – eine individuell angefertigte Prothese erfolgreich
implantiert. Dieser Teil der Hauptschlagader gilt als besonders
heikel, nicht nur wegen seiner Lage, sondern auch wegen der
Komplexität des Eingriffs. Die Innovation: Die Prothese wurde exakt
an die anatomischen Gegebenheiten der Patientin angepasst –
ermöglicht durch neue medizintechnische Regularien, die seit Juni
2025 in Kraft sind. Ein zentrales Element des neuartigen Implantats
ist ein sogenannter „nahtloser Konnektor“, der die Verbindung zur
Arterie des linken Arms ohne klassische chirurgische Naht herstellt –
ein entscheidender Vorteil, da dieser Gefäßabschnitt operativ nur
schwer zugänglich ist. „Das neue Verfahren reduziert die Dauer der
Operation und minimiert das Risiko potenzieller Komplikationen, was
einen bedeutenden Schritt in Sachen Patient*innen-Sicherheit und
Effizienz im OP darstellt“, betont Martin Grabenwöger, Vorstand der
Herz- und Gefäßchirurgie der Klinik Floridsdorf.

Zwtl.: Klinik-übergreifende Zusammenarbeit für bestes Ergebnis

Besonders wichtig im Bereich der Kardiologie und Herzchirurgie
ist die Klinik-übergreifende Zusammenarbeit. Um Patient*innen auf
schnellstem Wege zu helfen – für die bestmögliche Versorgung der
Menschen in Wien. In der Region Nord-Ost (Klinik Donaustadt und
Floridsdorf) funktioniert das beispielsweise so: Die kardiologische
Abteilung der Klinik Donaustadt präsentiert im Plenum der Heart-Team-
Meetings die Fälle von Patient*innen. Hierbei tauschen sich Expert*
innen aus den Bereichen Kardiologie, Herzchirurgie, Radiologie,
Infektiologie und der Pflege aus und definieren die weiterführende
Behandlungsstrategie. Diese kann entweder in einem herzchirurgischen
Setting in der Klinik Floridsdorf oder minimal-invasiv im
Herzkatheterlabor in der Klinik Donaustadt stattfinden. „Durch die
multiprofessionelle Arbeit im Heart-Team gelingt es nicht nur,
komplexe Fälle rasch der bestmöglichen Behandlung zuzuführen, sondern
auch eine hoch qualitative Versorgung für unsere Patient*innen zu
gewährleisten“, erklärt Martin Ganeider, Bereichsleitung Pflege der
Abteilung für Innere Medizin mit Kardiologie und Intensivmedizin der
Klinik Donaustadt.

Zwtl.: Podcast-Tipp: Klinikkosmos zum Welt-Herztag

Herzchirurg Martin Grabenwöger aus der Klinik Floridsdorf erklärt
in Klinikkosmos, dem Podcast des Wiener Gesundheitsverbundes, wie
Operationen am offenen Herzen überhaupt möglich sind, welche Rolle
die Herz-Lungen-Maschine übernimmt und warum Teamwork dabei
überlebenswichtig ist. Ab 25.09.2025 überall wo es Podcasts gibt.

Alle Expert*innen des Wiener Gesundheitsverbundes stehen für
Interviews zur Verfügung!

Service-Links:

Kardiologie im Wiener Gesundheitsbund:

Herz-Gesundheit | Kardiologie

Podcast Klinikkosmos: https://gesundheitsverbund.at/podcast/