Wien (OTS) – Die Erhebung der Schienen-Control zur qualitativen
Marktbeurteilung
2024 zeigt ein deutliches Bild: Während Österreich im europäischen
Vergleich in vielen Bereichen des Schienenverkehrs weiterhin
Spitzenwerte erreicht, verstärken sich gleichzeitig zentrale
Herausforderungen für den Wettbewerb.
Die Resultate basieren auf der systematischen Befragung der in
Österreich tätigen Eisenbahnunternehmen im Schulnotensystem– mit
einer Rücklaufquote von knapp 80 Prozent.
Zwtl.: Österreich besser als der EU-Schnitt – insbesondere bei
Infrastrukturqualität
Die Auswertung der Schienen-Control zeigt, dass in nahezu allen
Kategorien die inländischen Rahmenbedingungen besser abschneiden als
jene im europäischen Ausland – besonders deutlich zeigt sich dies
beim Netzzustand, bei Schulungseinrichtungen sowie der
Fahrplanqualität. So erreichen etwa Schulungseinrichtungen die
Bestnote von 2,0. Auch der Triebfahrzeugführerschein (2,04) und die
Sprachkompetenz des Personals (2,06) werden als stabil positive
Faktoren genannt.
Zwtl.: Wettbewerb mit der Straße und zunehmende technische
Komplexität branchenweit als größte Herausforderungen
Als größtes Hemmnis für Neuverkehre nennen die Unternehmen erneut die
Konkurrenz durch andere Verkehrsträger, allen voran die Straße.
Dieser Faktor wurde mit 3,82 (von 5) schlechter bewertet als je zuvor
und stellt aus Sicht der Schienen-Control eine Folge strukturell
verzerrter Rahmenbedingungen wie niedrigeren Personalkosten,
geringeren Steuern und fehlender Bepreisung externer Kosten bei LKW-
und Flugverkehr dar.
Schlecht bewertet wurden auch Faktoren rund um technische
Vorgaben und neue Technologien:
–
Die Sicherungstechnik (ETCS) verschlechterte sich stark (auf 3,14
) – insbesondere wegen fehlender Kompatibilität und hoher Kosten bei
grenzüberschreitenden Verkehren.
–
Landesspezifische Ausnahmen bei EU-Technikvorgaben (TSI) werden
mit 3,09 bewertet – sie verhindern laut Befragten echte
Interoperabilität und führen zu unnötigem Mehraufwand.
Zwtl.: Rollmaterial und Energie: Kosten steigen – Verfügbarkeit sinkt
Die Verfügbarkeit und Kosten zentraler Betriebsmittel verschlechtern
sich nach Aussagen der Branche weiter. Triebfahrzeuge (3,08) und
Energie (2,87) stehen exemplarisch für eine angespannte
Marktsituation. Gleichzeitig kritisieren die Unternehmen die
Trassengebühren – sowohl deren Struktur (2,52) als auch die konkrete
Höhe im Güterverkehr (2,84).
Über die Erhebung
„ Mit dieser Marktbeurteilung bieten wir seit fast 20 Jahren eine
fundierte, systematisch vergleichbare Grundlage zur Lage des
Schienenverkehrs in Österreich – und ermöglichen damit gezielte
Verbesserungen und einen funktionierenden Wettbewerb “, so Maria-
Theresia Röhsler, Geschäftsführerin der Schienen-Control GmbH.
Die Bewertung dient nicht nur als Frühwarnsystem für politische
Entscheidungsträger, sondern unterstützt auch Marktteilnehmer bei
Investitionsentscheidungen und zeigt, wohin die Weichen neu gestellt
werden müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten bzw.
auszubauen.
Seit 2006 erhebt die Schienen-Control jährlich die subjektive
Einschätzung der Eisenbahnunternehmen zu insgesamt 41
Einflussfaktoren auf den Marktzugang und die Entwicklung von
Neuverkehren. Die Befragung bietet ein differenziertes Lagebild und
tiefe Einblicke in die Rahmenbedingungen der Branche.
Über die Schienen-Control GmbH
Als Regulierungsbehörde überwacht die Schienen-Control GmbH (SCG) den
freien Zugang zur Schiene zu angemessenen Preisen. Damit ermöglicht
und unterstützt sie den fairen Wettbewerb für eine bessere und
erfolgreichere Bahn.