Die Wahl der richtigen Unternehmensform ist eine der wichtigsten Entscheidungen für Gründer in Österreich. Jede Rechtsform bringt spezifische Vor- und Nachteile mit sich, die erheblichen Einfluss auf Haftung, Steuern, Verwaltungsaufwand und Finanzierungsmöglichkeiten haben. In diesem umfassenden Vergleich analysieren wir die fünf wichtigsten österreichischen Unternehmensformen und helfen Ihnen dabei, die optimale Wahl für Ihr Vorhaben zu treffen.
GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)
Die GmbH ist eine der beliebtesten Unternehmensformen in Österreich und eignet sich besonders für mittelständische Unternehmen mit mehreren Gesellschaftern.
Vorteile der GmbH
Der größte Vorteil der GmbH liegt in der beschränkten Haftung. Die Gesellschafter haften grundsätzlich nur mit ihrer Einlage, nicht mit ihrem Privatvermögen. Dies bietet einen erheblichen Schutz vor unternehmerischen Risiken. Das Mindestkapital von 35.000 Euro (davon mindestens die Hälfte eingezahlt) schafft Vertrauen bei Geschäftspartnern und Kreditgebern. Die flexible Gestaltung der Gesellschaftsverträge ermöglicht individuelle Regelungen zu Gewinnverteilung, Stimmrechten und Geschäftsführung.
Steuerlich kann die GmbH vorteilhaft sein, da Gewinne mit dem Körperschaftssteuersatz von 23% besteuert werden, während Privatentnahmen als Dividenden mit 27,5% Kapitalertragsteuer belastet sind. Bei hohen Gewinnen kann dies günstiger sein als die progressive Einkommensteuer. Die GmbH genießt zudem eine hohe Reputation am Markt und erleichtert die Aufnahme von Fremdkapital sowie die Gewinnung von Geschäftspartnern.
Nachteile der GmbH
Der höhere Verwaltungsaufwand stellt einen wesentlichen Nachteil dar. Die GmbH unterliegt strengen Buchführungs- und Bilanzierungspflichten, regelmäßigen Gesellschafterversammlungen und Meldepflichten. Die Gründungskosten sind mit Notar-, Gerichts- und Beratungskosten deutlich höher als bei anderen Rechtsformen. Das hohe Mindestkapital kann für Kleinunternehmer eine erhebliche Hürde darstellen.
Die doppelte Besteuerung (Körperschaftsteuer auf Unternehmensebene und Kapitalertragsteuer bei Gewinnausschüttung) kann bei niedrigeren Gewinnen steuerlich nachteilig sein. Änderungen am Gesellschaftsvertrag erfordern notarielle Beurkundung und sind daher kostspielig und zeitaufwändig.
FlexCo (Flexible Kapitalgesellschaft)
Die FlexCo ist eine relativ neue Unternehmensform in Österreich, die seit 2024 verfügbar ist und als moderne Alternative zur klassischen GmbH konzipiert wurde.
Vorteile der FlexCo
Die FlexCo kombiniert die Vorteile einer Kapitalgesellschaft mit erhöhter Flexibilität. Das deutlich reduzierte Mindestkapital von nur 10.000 Euro (vollständig eingezahlt) macht sie für Startups und kleinere Unternehmen attraktiver. Die Gründung kann vollständig digital abgewickelt werden, was Zeit und Kosten spart. Die FlexCo bietet dieselbe beschränkte Haftung wie eine GmbH, jedoch mit weniger bürokratischem Aufwand.
Besonders innovativ ist die Möglichkeit, verschiedene Anteilsklassen mit unterschiedlichen Rechten zu schaffen, was für Investoren und komplexe Beteiligungsstrukturen interessant ist. Die steuerliche Behandlung entspricht der einer GmbH, jedoch mit vereinfachten Meldeverfahren. Die FlexCo eignet sich hervorragend für wachstumsorientierte Unternehmen, die später eventuell Investoren aufnehmen möchten.
Nachteile der FlexCo
Als neue Rechtsform fehlen noch Erfahrungswerte und etablierte Rechtsprechung, was zu Rechtsunsicherheiten führen kann. Die Marktakzeptanz ist noch nicht vollständig etabliert, was bei konservativen Geschäftspartnern oder Banken zu Vorbehalten führen könnte. Obwohl weniger als bei der GmbH, bestehen dennoch Buchführungs- und Berichtspflichten.
Die Umwandlung in andere Rechtsformen kann komplexer sein als bei etablierten Gesellschaftsformen. Für sehr kleine Unternehmen ohne Wachstumsambitionen ist der Verwaltungsaufwand möglicherweise noch immer zu hoch.
EPU (Ein-Personen-Unternehmen)
Das EPU ist die einfachste Form der Selbstständigkeit in Österreich und eignet sich für Einzelunternehmer ohne Mitarbeiter oder mit wenigen Angestellten.
Vorteile des EPU
Die Gründung eines EPU ist unkompliziert, kostengünstig und kann oft online erledigt werden. Es ist kein Mindestkapital erforderlich, und die laufenden Verwaltungskosten sind minimal. Die Buchführung ist bei einem Jahresumsatz unter 700.000 Euro deutlich vereinfacht (Einnahmen-Ausgaben-Rechnung statt doppelter Buchführung). Der Unternehmer behält die vollständige Kontrolle über alle Geschäftsentscheidungen.
Steuerlich wird das EPU transparent besteuert, das heißt, Gewinne werden direkt beim Unternehmer als Einkommen versteuert. Bei niedrigen Gewinnen kann dies durch die Progression der Einkommensteuer günstiger sein als die Körperschaftsteuer. Verluste können mit anderen Einkünften verrechnet werden. Die Flexibilität bei Arbeitszeiten und Geschäftsentscheidungen ist maximal.
Nachteile des EPU
Der gravierendste Nachteil ist die unbeschränkte Haftung mit dem gesamten Privatvermögen. Dies stellt ein erhebliches persönliches Risiko dar. Die Finanzierungsmöglichkeiten sind begrenzt, da Banken bei der Kreditvergabe oft skeptisch sind. Das EPU bietet keine Möglichkeit, externe Investoren aufzunehmen oder Gesellschafter zu integrieren.
Bei höheren Einkommen wird die progressive Einkommensteuer nachteilig (bis zu 55% Grenzsteuersatz). Die Sozialversicherungsbeiträge sind oft höher als bei Angestellten, und es gibt keine Lohnfortzahlung bei Krankheit. Das EPU ist nicht übertragbar und endet mit dem Tod oder der Geschäftsaufgabe des Unternehmers.
AG (Aktiengesellschaft)
Die AG ist die klassische Rechtsform für große Unternehmen mit hohem Kapitalbedarf und eignet sich besonders für börsennotierte Gesellschaften.
Vorteile der AG
Die AG bietet optimale Voraussetzungen für die Kapitalbeschaffung durch Ausgabe von Aktien. Dies ermöglicht es, große Investitionsvorhaben zu finanzieren und das Unternehmen schnell zu expandieren. Die beschränkte Haftung schützt die Aktionäre vor persönlichen Verlusten über ihre Einlage hinaus. Die Aktien sind frei übertragbar, was Flexibilität bei Eigentümerwechseln bietet.
Die klare Trennung zwischen Eigentum und Management durch den Vorstand schafft professionelle Führungsstrukturen. Der Aufsichtsrat gewährleistet Kontrolle und Corporate Governance. Die AG genießt höchstes Ansehen am Markt und erleichtert internationale Geschäfte. Die steuerliche Behandlung entspricht der einer GmbH mit Körperschaftsteuer von 23%.
Nachteile der AG
Das hohe Mindestkapital von 70.000 Euro stellt eine erhebliche Eintrittsbarriere dar. Die Gründungskosten sind sehr hoch und umfassen Notarkosten, Prüfungskosten und Börsenzulassungskosten bei geplanter Börsennotierung. Der Verwaltungsaufwand ist maximal mit strengen Publizitätspflichten, Hauptversammlungen, Aufsichtsrat und umfangreichen Berichtspflichten.
Die komplexe Unternehmensstruktur führt zu hohen laufenden Kosten für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und rechtliche Beratung. Entscheidungsprozesse sind oft langwierig und schwerfällig. Für kleine und mittlere Unternehmen ist die AG meist überdimensioniert und unwirtschaftlich.
OG (Offene Gesellschaft)
Die OG ist eine Personengesellschaft für mehrere Gesellschafter, die gemeinsam ein Unternehmen führen möchten.
Vorteile der OG
Die Gründung einer OG ist einfach und kostengünstig, da kein Mindestkapital erforderlich ist und der Gesellschaftsvertrag formlos geschlossen werden kann. Die Buchführung ist bei Umsätzen unter 700.000 Euro vereinfacht. Jeder Gesellschafter kann das Unternehmen nach außen vertreten, was flexible Geschäftsführung ermöglicht. Die Gewinne werden transparent bei den Gesellschaftern besteuert, was bei niedrigen Einkommen steuerlich vorteilhaft sein kann.
Verluste können mit anderen Einkünften der Gesellschafter verrechnet werden. Die OG eignet sich gut für Partnerschaften zwischen Freiberuflern oder Handwerkern. Die Kreditwürdigkeit ist oft höher als bei Einzelunternehmen, da mehrere Personen haften.
Nachteile der OG
Der schwerwiegendste Nachteil ist die unbeschränkte und solidarische Haftung aller Gesellschafter mit ihrem gesamten Privatvermögen. Jeder Gesellschafter haftet für die
